Sonnenstürme versetzen riesige Schleifen aus heißen elektrisch geladenen Gasen in Schwingung ? so wie ein Gitarrenspieler die Saiten seines Instrumentes anschlägt. Das haben Astronomen vom Max-Planck-Institut für Aeronomie auf Aufnahmen von der Sonne entdeckt, die das ultraviolette Spektrum des Sterns zeigen, berichten die Weltraumagenturen Nasa und Esa.
“Es ist wie die Saite einer Gitarre anzuschlagen ? auch wenn sie auf einen extremen Bass gestimmt ist”, sagt Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Aeronomie in Katlenburg-Lindau. “Diese Vibrationen entstehen nur in extrem heißen Gasen.” Die Spannung der gigantischen Gitarrensaite entsteht durch ein starkes Magnetfeld, das über den Gasbogen verläuft. Der “Finger”, der die Saite anschlägt, besteht aus energiegeladenen Teilchen, die aus tiefer liegenden Schichten der Sonnenatmosphäre kommen, vermuten die Forscher.
Die gigantischen Schleifen ragen etwa 350.000 Kilometer über die Oberfläche der Sonne auf und sind zwischen neun und zwanzig Millionen Grad Celsius heiß. Diese große Hitze entfernt Elektronen aus Eisenatomen im Gas, worauf die Eisenatome ultraviolettes Licht abstrahlen. Dieses Licht ist zwar für das menschliche Auge nicht sichtbar, kann jedoch von Geräten wie dem “Solar Ultraviolet Measurements of Emitted Radiation”, kurz Sumer, gemessen werden, das auf dem Weltraumobservatorium Soho installiert ist.
Die Farbe beziehungsweise die Wellenlänge des ultravioletten Lichts ändert sich leicht, wenn eine der mächtigen Schleifen hin und her schwingt. Deshalb können die Forscher ihre Vibrationsgeschwindigkeit messen: In etwa zwanzig Minuten bewegen sich die Schleifen einmal hin und her. Die schwingenden Schleifen spielen vermutlich eine Schlüsselrolle bei den gewaltigsten Sonnenaktivitäten, schließen die Forscher.
Cornelia Pfaff





