Im Niedersächsischen Landesmuseum gibt es eine neue Attraktion zu bestaunen: Das lebensnahe Modell eines skurrilen Raubdinosauriers, der einst im heutigen Norddeutschland heimisch war. Er stammt aus der Familie der Troodontidae, den sogenannten Sichelklauendinosauriern. Die Spuren des Raubsauriers wurden vor vier Jahren in den Obernkirchener Sandsteinbrüchen in Niedersachsen entdeckt. Nirgendwo sonst in Europa waren zuvor Spuren von Sichelklauendinosauriern nachweisbar. Die Fußabdrücke zeigten eine einschlägige Besonderheit: Es sind nur zwei Zehen erkennbar. Erst nach dreijähriger intensiver Forschung haben Wissenschaftler die urzeitliche Fährte eindeutig zuordnen können: Der etwa 1,30 Meter hohe und drei Meter lange Verursacher hatte demnach Federn, einen Schnabel und besaß eine messerscharfe Klaue, wie sie auch die aus den Jurassic Park Filmen bekannten Raptoren trugen. Beim Laufen klappten die Tiere den Zeh mit der Klaue nach oben, um die Waffe vor Abnutzung zu schützen ? deshalb sind ihre Spuren zweizehig.
Anhand der Fußabdrücke, Skelettfunden aus China und unter der Mitwirkung des serbischen Künstlers Boban Filipovic ist nun ein täuschend lebensechtes Modell des Sichelklauendinosauriern entstanden. Eisenrohre, Mullbinden, Styropor sowie Truthahn-, Hühner- und Emufedern bilden die Grundbestandteile der Rekonstruktion. Der Körperbau verrät viel über das Leben des Dinos, so das Landesmuseum.
Seine schlanke Figur mit den langen Beinen machten ihn zum ausdauernden Läufer. Die großen Augen sprechen dafür, dass er nachts oder in der Dämmerung gejagt hat. Ähnlich wie Eulen besaß er ebenfalls asymmetrische Ohröffnungen, was ihm vermutlich ein sehr feines Gehör verlieh. Die kleinen, dicht gepackten und relativ grob gesägten Zähne deuten darauf hin, dass er nicht nur Fleisch-, sondern ein Allesfresser war. Dem Landesmuseum zufolge spricht der breite Hinterkopf der Sichelklauendinosaurier dafür, dass sie so intelligent wie kleine Säugetiere oder die als besonders clever geltenden Rabenvögel waren.
Nicht nur der Körperbau, sondern auch die Rekonstruktion der Befiederung orientierte sich an Funden von Sichelklauendinosauriern aus China. Zahlreiche Studien der vergangenen Jahrzehnte haben immer deutlicher gezeigt, dass viele Dinosaurierarten nicht nackt waren wie Eidechsen, sondern ein Federkleid trugen. Der Saurier, der vor 140 Millionen Jahren das heutige Niedersachsen durchstreifte, hatte damit vermutlich starke Ähnlichkeit mit dem heutigen Emu.
Mitteilung des Niedersächsischen Landesmuseums wissenschaft.de –
Martin Vieweg