Sowohl in Australien als auch in Nordamerika könnte die Ankunft des Menschen zu einer ökologischen Katastrophe geführt haben: Auf beiden Kontinenten wurden Riesensäugetiere und -vögel plötzlich ausgelöscht, nachdem die steinzeitlichen Jäger eintrafen. Zwei in der Fachzeitschrift Science veröffentlichte Studien belegen jetzt, dass die Menschheit tatsächlich maßgeblich zum Aussterben der so genannten “Megafauna” beigetragen hat und dass andere Verdächtige, etwa Klimaveränderungen, höchstens eine untergeordnete Rolle gespielt haben.
Der Evolutionsbiologe John Alroy von der University of California in Santa Barbara simulierte den Einfluss, den die Ankunft des Menschen vor etwa 14.000 Jahren auf 41 große Pflanzenfresser-Arten in Nordamerika hatte, mit einem Computermodell. Er stellte fest, dass das Massensterben unvermeidlich war, egal, wie er die Eigenschaften der Jäger, etwa ihren Jagderfolg und die Geschwindigkeit des Vorrückens auf dem unbesiedelten Kontinent, einstellte. Besonders betroffen waren in seinem Modell große Tiere, die langsam wachsen und lange bis zur Geschlechtsreife brauchen. Eine solche Art hat es schwer, sich zu erholen, wenn ihre Anzahl erst einmal dezimiert ist. Vor 11.000 Jahren waren Riesenantilopen, Säbelzahntiger, Wollbisons und Wollmammuts schließlich ausgerottet _ ohne dass die amerikanischen Ureinwohner dies beabsichtigt hätten. Wahrscheinlich bemerkten sie das Massensterben nicht einmal, weil die Tiere ganz allmählich verschwanden.
In Australien ereignete sich gegen Ende des Erdzeitalters Pleistozän (1,8 Millionen bis 10.000 Jahre vor heute) ebenfalls eine ökologische Katastrophe, bei der alle Landwirbeltiere mit einem Gewicht von mehr als 45 Kilogramm verschwanden. Darunter waren furchterregende, klauenbewehrte Riesenkängurus und Genyornis, mit einem Gewicht von hundert Kilogramm die größten Vögel, die jemals gelebt haben.
Bislang scheiterte die Suche nach der Ursache für dieses Massensterben daran, dass es sich nicht genau datieren ließ. Das ist Forschern um Richard Roberts von der University of Melbourne jetzt gelungen. Die Wissenschaftler datierten das Gestein von 28 Stätten, an denen Überreste der verschwundenen Tiere gefunden wurden, mit zwei verschiedenen Methoden. Sie stellten fest, dass die Sedimente höchstens 51.200 und mindestens 39.800 Jahre alt sind. Wahrscheinlich, so schreiben sie in ihrem Bericht, ereignete sich das Massensterben vor etwa 46.000 Jahren, wenige tausend Jahre, nachdem die Aborigenes Australien besiedelt hatten. In diesem Fall war der Mensch wohl eher indirekt an der Öko-Katastrophe schuld: Schlimmer als die Jagd dürfte die Brandrodung gewesen sein, durch die die Nahrung für die großen Tiere knapp wurde.
Einen Hintergrundbericht zum Thema Mammuts finden Sie hier.
Ute Kehse