von THORSTEN DAMBECK
Jupiter sei noch jung. Seit seiner Geburt habe der Riesenplanet nur wenig Zeit gehabt sich abzukühlen. Die innere Hitze dränge deshalb stellenweise zur Oberfläche, etwa auf der Südhalbkugel, wo als roter Fleck die vulkanische Glut zu Tage trete. Dies sei gleichsam eine übergroße Version der Hawaiianischen Vulkane. So ist es im Buch „Das Weltgebäude. Eine gemeinverständliche Himmelskunde“ zu lesen, das Max Wilhelm Meyer 1898 veröffentlichte. Der _Astronom und Schriftsteller war auch Mitbegründer und Direktor der Gesellschaft Urania in Berlin, die bis heute mit hochkarätigen Veranstaltungen glänzt.
Aber Meyer und die Forscher seiner Zeit haben sich gewaltig geirrt: Jupiter besitzt überhaupt keine feste Oberfläche. Im Teleskop erblickt man zwar parallel zu seinem Äquator helle und dunkle Streifen, doch es sind die Oberflächen dichter Wolkendecken. Darunter erstreckt sich ein enormer Ball aus Gasen, zusammengesetzt ähnlich wie die Sonne, also ganz überwiegend aus Wasserstoff und Helium. Zudem ist der Riesenplanet über 4,5 Milliarden Jahre alt – wahrscheinlich der älteste Planet im Sonnensystem überhaupt.
Im Auge des Zyklopen
Unser enormer Wissenszuwachs über das Sonnensystem ist hauptsächlich unbemannten Raumsonden zu verdanken, die auch Jupiter aus der Nähe erkundet haben. Juno ist das jüngste Beispiel. Die NASA-Sonde umrundet ihn seit Juli 2016 auf einer stark elliptischen Umlaufbahn. Alle 52,5 Tage nähert sie sich den obersten Wolkenschichten auf wenige Tausend Kilometer. Eines der wichtigsten Ziele dabei: die Untersuchung von Jupiters mächtiger Atmosphäre.
Der Große Rote Fleck steht besonders im Fokus. Er ist das bekannteste Merkmal Jupiters und verleiht ihm auf Fotos bisweilen ein zyklopenhaftes Aussehen. Seit dem 19. Jahrhundert wird er beobachtet. Sein gewaltiges Ausmaß übertrifft das der Erde.
Schon lange ist klar, dass dort keine vulkanische Glut aufscheint. Der Große Rote Fleck ist ein Wirbelsturm, genauer: ein Antizyklon. In einem solchen Gebiet übersteigt der atmosphärische Druck den der Umgebung.
Junos Mission bietet nun die einmalige Chance, dem mysteriösen Sturm
seine Geheimnisse zu entreißen. Zum Beispiel wollen die Forscher wissen, wie weit er nach unten reicht.
Doch das Innenleben von Jupiters Gashülle ist nur schwer zu beobachten. Man setzt deshalb auf eine indirekte Methode: die präzise Vermessung des Schwerefelds, das aus Jupiters beträchtlicher Masse resultiert. Der Riese wiegt zweieinhalb Mal so viel wie alle anderen Planeten zusammen; die Erdmasse übertrifft er sogar um das 318-Fache.





