Im Zentrum der meisten Galaxien liegen supermassereiche Schwarze Löcher. Ihre enorme Schwerkraft prägt das Verhalten der Galaxie und kann immer wieder Gaswolken oder nahe Sterne ins Verderben reißen. Kommt der Stern dem Schwarzen Loch dabei zu nahe, zerrt die starke Gravitation an ihm und löst im stellaren Material gewaltige Gezeitenkräfte aus. Weil dabei an der dem Loch zugewandten Seite stärkere Anziehungskräfte wirken als an der Rückseite, wird der Stern in einem sogenannte „Tidal Disruption Event“ (TDE) zerrissen und sein Material zu dünnen Fäden auseinandergezogen – er wird spaghettisiert. Ein Teil des stellaren Materials bildet eine um den Ereignishorizont rotierende Akkretionsscheibe aus strahlendem Plasma und wird nach und nach verschlungen, ein anderer Teil kann jedoch stark beschleunigt und in Form von zwei einander gegenüberstehenden Jets aus schnellen Teilchen und Strahlung weit ins All hinausgeschleudert werden.
Astronomen haben schon häufiger das Zerreißen eines Sterns an einem Schwarzen Loch beobachtet, meist macht sich dies durch ein plötzliches Aufleuchten im Röntgen- und Gammastrahlenbereich bemerkbar. Ein Tidal Disruption Event mit Jets ist jedoch selten und kommt nur in rund einem Prozent der Fälle vor. “Wir haben bisher nur eine Handvoll dieser Jet-TDEs gesehen und sie bleiben sehr exotische und schlecht verstandene Ereignisse“, sagt Co-Autor Nial Tanvir von der University of Leicester. Das letzte Ereignis dieser Art wurde 2011 beobachtet, es war aber nur in einigen Bereichen des Strahlungsspektrums sichtbar. Warum manchmal solche energiereichen Strahlen- und Teilchenkegel entstehen und manchmal nicht, ist daher bislang unklar.
(Video: ESO/M. Kornmesser)
Extrem hell und weit entfernt
Jetzt gibt es neue Anhaltspunkte. Denn am 11. Februar 2022 detektierte das auf plötzliche und kurzlebige Ereignisse spezialisierte Teleskop der Zwicky Transient Facility (ZTF) in Kalifornien bei seiner nächtlichen Himmelsdurchmusterung einen hellen Lichtblitz. Wegen seiner ungewöhnlichen Stärke, die an einen Gammastrahlenausbruch denken ließ, alarmierten die Astronomen um Igor Andreoni von der University of Maryland andere Observatorien, die daraufhin begannen, dieses AT2022cmc getaufte Ereignis in allen Wellenbereichen von langwelliger Radiostrahlung über Infrarot- und visuelles Licht bis zur kurzwelligen, energiereichen Röntgen- und Gammastrahlung zu verfolgen. Analysen des Lichtspektrums ergaben, dass die Quelle dieser Strahlung rund 8,5 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt liegen muss. Gleichzeitig jedoch war die Strahlungsintensität für diese Entfernung ungewöhnlich hoch: “Die Röntgen-, Radio- und Submillimeter Strahlung von AT2022cmc gehören zu den leuchtstärksten je bei dieser Rotverschiebung beobachteten”, konstatieren Andreoni und sein Team.





