Die „Atmosphäre” des gewaltigen Schwarzen Lochs im Zentrum unserer Galaxis hat einen Durchmesser von rund 300 Millionen Kilometern und ist mehr als 10 Milliarden Grad heiß. Das ergaben hochaufgelöste Messungen mit dem Very Long Baseline Array, einem Verbund aus zehn großen Radioteleskopen, die über die USA von Hawaii bis zur Karibik verteilt sind.
Seit der Entdeckung der Radioquelle Sagittarius A* (sprich: „ A-Stern”) 1974 durch Bruce Balick und Robert Brown sind Astronomen begierig zu erfahren, was genau im 26 000 Lichtjahre entfernten Galaktischen Zentrum vor sich geht. Die neue Studie gibt einen erneuten Hinweis darauf, dass es sich um ein Schwarzes Loch mit einer Masse von knapp drei Millionen Sonnen handelt. Es hat einen Durchmesser von rund 22 Millionen Kilometern und würde, in den Mittelpunkt des Sonnensystems gesetzt, noch in die Merkur-Bahn hineinpassen. Seine heiße Hülle, die jetzt erstmals beobachtet wurde, hätte gerade in der Erdbahn Platz.
Die neuen Beobachtungen liegen an der Grenze des technisch Machbaren. Um überhaupt etwas zu erkennen, mussten die Astronomen um Geoffrey C. Bower von der University of California in Berkeley den Streueffekt durch „Nebel” aus Plasma zwischen Sagittarius A* und der Erde rechnerisch eliminieren.
Nächstes Ziel ist es, den „Schatten” des Ereignishorizonts zu fotografieren. Diesen Effekt hat einer der Astronomen im Team, Heino Falcke, vor vier Jahren vorausgesagt (bild der wissenschaft 7/2000, „Bilder vom Rand des Abgrunds”). „Wenn wir die Technik hart genug vorantreiben, wird das bald möglich sein”, hofft der inzwischen am niederländischen Westerbork Radio Observatory arbeitende Forscher. Dann wird man genau wissen, wie groß die Schwerkraftfalle in der Milchstraße ist.





