Schwankungen in der Aktivität der Sonne und damit der Intensität der die Erde erreichenden Sonnenstrahlen können zu lokalen Änderungen des Erdklimas führen. Zu diesem Schluss kommt der amerikanische Klimatologe Drew Shindell nach einer Auswertung von Temperaturdaten aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Darüber berichtet das Wissenschaftsblatt Science.
Der an der Columbia Universität und am Goddard Forschungszentrum der US-Raumfahrtbehörde NASA beschäftigte Klimatologe untersuchte den Einfluss einer variablen Sonnenaktivität auf das Klima der Erde. Die Auswertung von Temperaturdatenbanken zur Zeit des sogenannten Maunder-Minimums im 17. Jahrhundert, welches durch eine sehr schwache solare Aktivität gekennzeichnet war, und der Temperaturverteilung ein Jahrhundert später zu Zeiten höchster Sonnenaktivität führte zu einem überraschenden Ergebnis: Obwohl die globale Durchschnittstemperatur während dieses Zeitraums nur um 0.3 bis 0.4 Grad schwankte, wies die Nordhalbkugel regionale Temperaturschwankungen um bis zu 2 Grad auf. Das Maunder-Minimum der Aktivität der Sonne könnte daher in einigen Regionen der Erde zu stärkeren Temperaturstürzen als in anderen Regionen geführt haben.
Computersimulationen untermauern mithilfe so genannter Zirkulationsmodelle die Vermutung, dass eine Änderung der Sonnenaktivität große, regional begrenzte Klimaveränderungen auslösen kann. Zu demselben Ergebnis kommen unabhängige Studien über die Veränderung der Klimaverhältnisse über dem Nordatlantik im Laufe der Erdgeschichte.
Shindells Studie zeigte, dass eine bloße Angabe der globalen Durchschnittstemperatur ein unzureichender Indikator für Klimaveränderungen ist. Vielmehr kann die Änderung bestimmter äußerer Parameter – wie die Intensität der Sonnenstrahlung – große regionale Auswirkungen auf Klima und Wetter haben. Diesen Aspekt sollte man bei der Diskussion um die von Menschen erzeugte Erderwärmung im Auge behalten.
Stefan Maier