Der Komet Tempel 1, der am 4. Juli von der Raumsonde Deep Impact beschossen wurde, hat eine Oberfläche, die so weich ist wie Pulverschnee. Die durch den Einschlag aufgewirbelte Materialmenge war etwa zehnmal so groß wie erwartet. Auf die Aktivität des Kometen hatte der Einschlag aber so gut wie keinen Einfluss, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.
In der Zeitschrift
Science und auf der einer
Tagung in der britischen Universitätsstadt Cambridge trugen Forscher die Ergebnisse der Kometenmission zusammen. Demnach unterscheidet sich der Komet Tempel 1 stark von den drei anderen bisher untersuchten Schweifsternen. Theorien über den inneren Aufbau von Kometen müssen daher überdacht werden, berichtet der New Scientist. Zur Überraschung der Planetenforscher fotografierte die Sonde Deep Impact zwei unterschiedlich große, runde Vertiefungen, die die Forscher als Einschlagkrater interpretieren. Auf der Oberfläche der bisher besuchten Kometen Halley, Wild 2 und Borelly waren dagegen keine Krater zu sehen. Nach Ansicht von Laurence Soderblom vom US Geological Survey in Flagstaff könnte es sich bei den Strukturen auch um Explosionskrater handeln, die von Gasausbrüchen im Innern des Kometen stammen.
Den Krater, den das Deep-Impact-Projektil erzeugte, konnte die Sonde wegen der unerwartet großen Staubwolke dagegen nicht fotografieren, so dass den Planetenforschern der erhoffte Blick ins Innere des Kometen verwehrt blieb. Immerhin gelang es ihnen, die Zusammensetzung des Staubs zu analysieren. Dabei stießen sie auf einen hohen Anteil organischer Verbindungen. “Dieses Ergebnis stützt die Theorie, dass Kometen vor mehr als vier Milliarden Jahren die Grundbausteine des Lebens auf die Erde gebracht haben”, sagte Michael A’Hearn von der University of Maryland.
Die Forscher gehen außerdem davon aus, dass Tempel 1 extrem porös ist. Die Oberfläche erwärmt sich sofort, wenn sie von Sonnenlicht bestrahlt wird. Das deutet darauf hin, dass nur wenig Wärme ins Innere des Kometen abgeführt wird. Das könnte wiederum bedeuten, dass im Inneren von Kometen tatsächlich Material zu finden ist, das sich seit der Entstehung des Sonnensystems kaum verändert hat.
Michael A’Heran et al.: “Deep Impact: Excavating Comet Tempel 1”, Sciencexpress, 9. September 2005
Ute Kehse