Die Erdkruste in Nordost-Japan wird Jahr für Jahr durch dicke Schneedecken in den Bergen verformt. Es sei möglich, dass die dadurch entstandenen Spannungen eine erhöhte Erdbebenrate im Frühjahr verursacht haben, berichtet Kosuke Heki vom National Astronomical Observatory in Iwate im Fachblatt Nature.
Heki untersuchte periodische Änderungen, die im dichten Netz der GPS-Stationen in Nordost-Japan seit einiger Zeit beobachtet werden. Dabei traten im März Höhenabweichungen von bis zu zwei Zentimetern und horizontale Verschiebungen um einige Millimeter auf. Durch Modellrechnungen stellte Heki fest, dass die Schneedecke auf den Bergen im Nordosten der Hauptinsel Honshu durchaus die beobachteten Verzerrungen im GPS-Netz hervorrufen kann. Im Winter kommt kühle, trockene Luft aus Sibirien nach Japan, die sich über dem japanischen Meer mit Feuchtigkeit anreichert und den Niederschlag dann vor allem an der Westflanke des gebirgigen Inselbogens abgibt. Im späten März bedeckt eine mehrere Meter dicke Schneedecke die Berge. Diese Last drückt die Berge um die beobachteten ein bis zwei Zentimeter nach unten.
Die Spannungsverhältnisse in der Erdkruste ändern sich durch den Schnee ebenfalls, schreibt Heki. In Japan gibt es so viele Erdbeben und Vulkane, weil die Pazifische Platte im Japangraben unter der Inselgruppe abtaucht. Durch den Schnee erhöht sich die Spannung im Frühjahr, wie der Forscher berechnet hat. Diese zusätzliche Spannung könne für die Häufung starker Erdbeben in Nordost-Japan im März verantwortlich sein, sicher sei dies allerdings nicht.
Außerdem wies Heki darauf hin, dass weltweite Netze aus GPS-Stationen an vielen Stellen durch Schnee und Grundwasser saisonal verzerrt werden können. Da die GPS-Stationen wiederum einen festen Rahmen bilden, um die Bahnen der Satelliten zu bestimmen, könnten sich auf diese Weise Fehler in Vermessungen einschleichen.
Ute Kehse





