Schon an den Schalen von Brachiopoden des Perm finden sich Bohrspuren räuberischer Schnecken. Das berichtet Alan Hoffmeister, Student der Virginia Technical University.
Schnecken bohren sich seit der frühen Triaszeit (vor 210 Millionen Jahren) in die Gehäuse von Muscheln und anderen Schalentieren, um an das dahinter verborgene Fleisch ihrer Opfer zu gelangen. Davor vergriffen sie sich offensichtlich an Brachiopoden, den sogenannten Armfüßern, die äußerlich den Muscheln ähneln, aber einen eigenen Tierstamm bilden, der seine Blütezeit im Erdaltertum hatte.
Hoffmeister hat die Bohrspuren an 58 von insgesamt 3.140 Brachiopoden und an 23 von 654 Muscheln festgestellt. Dies sind die ältesten angebohrten Muscheln, die bislang gefunden wurden.
Die Bedeutung der Funde bestehe in ihrer evolutiven und paläoökologischen Relevanz. Sie scheinen die seit Mitte der 80er-Jahre bekannte Eskalationshypothese zu bestätigen. Sie besagt, dass eine Art, die zum Opfer einer räuberischen Lebensweise wird, Abwehrmechanismen bildet: Hier etwa eine dicke, ornamentierte Schale. Der Räuber seinerseits entwickelt Strategien, um diese Schutzmaßnahmen zu überwinden.
Das Aufkommen des räuberischen Bohrverhaltens stellte vor Millionen von Jahren eine völlig neue Art biologischen Stresses auf Organismen dar. Jedoch wurden dadurch im Ökosystem vorhandene Nahrungsressourcen intensiver genutzt.
Hoffmeister hat festgestellt, dass im jüngeren Erdaltertum etwa zwei Prozent der Organismen eines marinen Ökosystems Bohrspuren aufweisen. Im terziären Miozän (vor etwa 7 Millionen Jahren) waren es bereits 30 Prozent. Während dieser Zeit wurden die Armfüßer von den Muscheln verdrängt. Hoffmeister meint, dass Brachiopoden wegen eines ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses für bohrende Räuber uninteressant wurden.
Olaf Elicki





