In Erdmantelgesteinen aus Neuseeland entdeckte der Heidelberger Mineraloge Stephan Klemme ungewöhnliche, glasartige Fluorid-Mineralien. Seiner Meinung nach sind die Gläser durch das Aufschmelzen einer ozeanischen Platte beim Abtauchen in den Erdmantel entstanden. Das berichtet Klemme im Fachblatt Geology (Bd. 32, S. 441).
Ozeanische Kruste hat im Gegensatz zu kontinentaler Kruste nur eine relativ kurze Lebensdauer. Sie wird an den riesigen Unterwassergebirgen der mittelozeanischen Rücken gebildet und wandert dann wie auf einem Förderband zur Seite. Schließlich, nach spätestens 200 Millionen Jahren, wird die Basaltkruste so schwer, dass sie an den so genannten Subduktionszonen wieder im Erdmantel versinkt.
Welche chemischen Veränderungen in einer abtauchenden Platte ablaufen, ist nicht genau geklärt. Geowissenschaftler gehen davon aus, dass das in den Platten enthaltene Wasser herausgepresst wird. Dadurch kommt es zu charakteristischem Vulkanismus, je nachdem, ob die ozeanische Platte unter einen Kontinent oder unter eine andere ozeanische Platte taucht. Bislang waren die meisten Geowissenschaftler der Meinung, dass die Krustenplatten bis in große Tiefen intakt bleiben, wenn sie abtauchen, da sie kälter sind als das umgebende Mantelgestein. Auch auf tomografischen Bildern des Erdinnern sind die abtauchenden Platten zum Teil noch zu erkennen.
Klemme sieht in seinen Funden jetzt allerdings Anzeichen dafür, dass die Platten schon in relativ geringen Tiefen schmelzen. Die vorher unbekannten Fluorid-Gläser, die er in Neuseeland entdeckte, könnten sich seiner Ansicht nach aus Silikat-Gesteinen gebildet haben. Aus der Analyse der Spurenelemente schließt der Wissenschaftler, dass sie in einer Subduktionszone entstanden sein müssen.
Ute Kehse





