In den Genen von Riesenschildkröten am Vulkan Alcedo fand ein Team von Biologen und Geologen um Luciano Beheregaray von der Universität Yale nun eine Besonderheit, die sie auf einen prähistorischen Ausbruch des Vulkans zurückführen. Die Forscher verglichen die Vielfalt der Genvarianten von Schildkrötenarten, die auf den verschiedenen Vulkanen der Insel Isabela im Galapagos-Archipel leben. Je größer die Variationen innerhalb einer Population sind, desto weiter reicht ihr Ursprung in die Vergangenheit zurück. Bei den Schildkröten am Alcedo stellten sie einen drei- bis fünfmal geringeren Variantenreichtum fest als bei anderen Populationen der Insel.
Der Alcedo ist nicht später als die anderen Vulkane auf der Insel entstanden. Das Alter des Berges kann also den dort offenbar jüngeren Schildkrötenbestand nicht erklären. Ebenfalls unwahrscheinlich ist, dass die Tiere am Alcedo in der Vergangenheit von Walfängern dezimiert wurden, wie dies bei leichter zugänglichen Inseln des Archipels der Fall war. Was den Alcedo jedoch von den anderen Vulkanen auf Isabela unterscheidet, sind geologische Anzeichen auf einen größeren Ausbruch vor etwa 100.000 Jahren. Die geringere Genvielfalt der dortigen Riesenschildkröten führen die Forscher daher darauf zurück, dass durch den Ausbruch der damalige Bestand weitgehend ausstarb und die heutige Population von den wenigen überlebenden Tieren begründet wurde.
Da die Schildkröten am Alcedo sich sowohl äußerlich als auch genetisch von anderen Populationen auf der Insel unterscheiden, unterstützen die Ergebnisse der Studie die These, dass die Verminderung eines Bestandes die evolutionäre Vielfalt reduziert. Zugleich zeigt die Studie den Wert molekularbiologischer Ansätze bei der Erforschung der Geschichte von Populationen.





