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Schiffswrack erweist sich als von Francis Drake versenkter Frachter
Archäologie

Schiffswrack erweist sich als von Francis Drake versenkter Frachter

Einige Schiffe der spanischen Armada wurden von Sir Francis Drake schon in der Bucht von Cadiz zerstört. Dabei sank auch ein genuesisches Handelsschiff, wie ein Wrackfund verrät. · Foto: Thomas Faull/ iStock

Ein bei Ausgrabungen vor der spanischen Hafenstadt Cadiz entdecktes Schiffswrack hat sich als Handelsschiff mit prominentem Schicksal erwiesen. Denn das aus Genua stammende Schiff fiel zusammen mit Teilen der spanischen Armada einem Überraschungsangriff des britischen Freibeuters Sir Francis Drake zum Opfer. Das…
Autor
Redaktion
12. Mai 2026
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Archäologie

Die Bucht von Cadiz im Süden Spaniens ist ein geschichtsträchtiger Ort. Denn dort sammelten sich Anfang des Jahres 1587 Dutzende Kriegsschiffe aus Spanien, Portugal und weiteren verbündeten Ländern. Sie bildeten den Grundstock der spanischen Armada, der Flotte, mit der der spanische König Philipp II. im Sommer desselben Jahres England angreifen und erobern wollte.

Doch diese Kriegsvorbereitungen blieben nicht geheim: Über Spione erfuhr die englische Königin Elisabeth I. von der sich sammelnden Armada und entschloss sich zum präventiven Angriff: Der in englischen Diensten stehende Freibeuter und Vizeadmiral Sir Francis Drake erhielt den Auftrag, die Schiffe in der Bucht von Cadiz zu versenken. Am 19. April 1587 erreichte Drake mit 24 Schiffen Cadiz und griff die spanische Flotte an. Zwischen 30 und 35 Schiffe wurden zerstört und sanken.

Ein Schiffswrack aus dem 16. Jahrhundert

Jetzt enthüllen archäologische Untersuchungen, dass bei diesem berühmten Angriff auf Cadiz nicht nur Kriegsschiffe das Opfer von Francis Drake und seiner Flotte wurden: Auch ein genuesisches Handelsschiff wurde bei dieser Seeschlacht versenkt. Entdeckt haben dies Archäologen um Renato Gianni Ridella von der Universität Genua und seine Kollegen, als sie eines der drei vor rund 15 Jahren vor Cadiz entdeckten Schiffswracks näher untersuchten. Unterwasserarchäologen hatten die Wracks gefunden, als sie den Meeresgrund im Vorfeld von Bauarbeiten für ein neues Containerterminal untersuchten.

Eines der drei Schiffswracks, provisorisch „Delta II“ getauft, lag unter einer rund acht Meter dicken Sedimentschicht und ist nahezu intakt erhalten. „Das Wrack ist rund 24 Meter lag und acht Meter breit und hat die Merkmale eines Dreimasters“, berichten die Archäologen. Schon erste Untersuchungen legten nahe, dass es sich um ein nach mediterraner Schiffsbautradition konstruiertes Schiff aus dem 16. Jahrhundert handeln könnte. Auch mehrere Bronzekanonen aus dieser Zeit sprachen für diese Datierung. „Allerdings eröffnete dies eine enorme Spanne an Möglichkeiten: Das Wrack könnte von einem spanischen Schiff stammen, das Fracht nach Amerika bringen sollte, es könnte sich aber auch um ein Kriegsschiff gehandelt haben“, erklären Ridella und sein Team.

Bronzekanonen aus Genua, Karmin aus der Neuen Welt

Um mehr Klarheit zu schaffen, haben die Archäologen das „Delta II“-Wrack und die aus ihm geborgenen Funde näher untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass einige der sieben Bronzekanonen des Schiffs eingeprägte Inschriften trugen. Diese verrieten, dass diese Artilleriewaffen durch die in Genua ansässige Familie Giordi gegossen worden waren. „Dieses Detail lieferte uns einen wichtigen chronologischen Referenzpunkt“, erklären die Forschenden. Der Abgleich mit historischen Dokumenten ergab, dass diese Familie in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts einige Kanonen für die spanische Armada lieferte.

Die Herkunft der Kanonen deutete darauf hin, dass auch das Schiff aus Genua stammen könnte. „Allerdings wurden damals Kanonen oft zwischen Schiffen verschiedener Nationalitäten ausgetauscht, daher reicht dies allein nicht aus“, berichten die Archäologen. „Es war daher notwendig, die Fracht dieses Schiffswracks genauer zu untersuchen.“ Bei Tauchgängen zum Wrack wurden neben Knochen verschiedener Nutztiere wie Rindern, Schweinen, Ziegen und Hühnern auch zahlreiche Tongefäße mit eingelegten Oliven, Kapern und Gewürzen gefunden. „Die Oliven sind eindeutig ein andalusisches Produkt und deuten darauf hin, dass die Delta II diese Fracht in Cadiz an Bord genommen hatte“, erklärt das Team.

Neben den Waren aus Andalusien und dem Mittelmeerraum hatte das Schiff auch Fracht aus der Neuen Welt an Bord: Die Archäologen fanden im Wrack mehrere Holzfässer mit einer rötlichen, dichten Masse, die sich als Karmin erwies, ein aus der in Mittel- und Südamerika vorkommenden Cochenille-Schildlaus gewonnenes rotes Pigment. „Im 16. Jahrhundert hatte der Handel mit Karmin aus der Neuen Welt eine enorme Bedeutung, sein wirtschaftlicher Wert wurde im transatlantischen Transport nur von Silber und Gold übertroffen“, erklären Ridella und seine Kollegen.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Aus diesen Informationen aus Bewaffnung und Fracht sowie durch Recherchen in historischen Dokumenten ist es Ridella und seinem Team gelungen, das Schiffswrack zu identifizieren. Bei der „Delta II“ handelt es sich demnach um das genuesische Handelsschiff „San Giorgio e Sant’Elmo“, auch als „Vassalla piccola“ bekannt. Dieses wurde 1573 im Auftrag von Pietro Paolo Vassallo in der italienischen Stadt Portofno gebaut und auf den damals gängigen Handelsrouten im westlichen Mittelmeerraum eingesetzt. Bei ihrem Untergang im April 1587 war dieses Handelsschiff demnach zur falschen Zeit am falschen Ort – es wurde mit den vor Cadiz liegenden Kriegsschiffen von Sir Francis Drake und seiner Flotte versenkt.

Quelle: Instituto Andaluz del Patrimonio Historico (IAPH), Archeologia Postmedievale, Congreso Iberoamericano de Arqueología Náutica y Subacuática

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