Dass die Menschheit die nützlichen Edelmetalle Platin, Iridium, Rhodium und Palladium in nennenswerten Mengen der Erdkruste findet, verdankt sie wahrscheinlich einem stürmischen Meteoritenhagel vor mehr als vier Milliarden Jahren. Das berichtete der Mainzer Geochemiker Gerhard Schmidt auf dem Europäischen Kongress für Planetenforschung in Münster. Seinen Berechnungen zufolge waren etwa 160 Eisenmeteoriten mit einem Durchmesser von ungefähr 20 Kilometern nötig, um die in der Erdkruste gemessenen Konzentrationen zu erreichen.
Die Edelmetalle dürften in der Erdkruste eigentlich kaum vorkommen, weil sie sich gerne mit Eisen verbinden. Platin und Co werden als eisenliebende Elemente bezeichnet, in der Fachsprache heißen sie “siderophil”. Nach der Entstehung der Erde müssten diese Elemente sich nach Modellen zur Planetenentstehung überwiegend im eisenreichen Erdkern angesammelt haben.
Schmidt verglich nun in einer umfangreichen Studie das Verhältnis von unterschiedlichen Metallen in verschiedenen Gesteinsproben. Die Proben stammten von Gesteinsmeteoriten, Eisenmeteoriten, Stein-Eisenmeteoriten, von Marsmeteoriten, vom Mond und von der Erde, unter anderem aus der Umgebung von Meteoritenkratern.
Der Forscher kam zu dem Ergebnis, dass in der Erdkruste viel höhere Konzentrationen der siderophilen Elemente vorhanden sind als in primitiven Steinmeteoriten. Diese Körper gelten als Überbleibsel aus dem jungen Sonnensystem, und Planetenforscher nehmen an, dass ihre chemische Zusammensetzung der des solaren Urnebels entspricht. Die Erdkruste enthält jedoch etwa den gleichen Anteil der Edelmetalle wie Steinmeteoriten oder Stein-Eisenmeteoriten. Diese Meteoriten sind Bruchstücke von großen Asteroiden, in denen sich genau wie im Inneren der Erde bereits ein Eisenkern gebildet hatte, als sie vor Urzeiten durch eine Kollision zerschmettert wurden. Sie enthalten daher ebenfalls viel Iridium, Osmium oder Platin.
Schmidt nimmt an, dass ein Bombardement mit solchen Planetenkern-Bruchstücken die Edelmetallvorräte der Erdkruste nachträglich auffüllte, als sich der Erdkern schon gebildet hatte. Auf dem Mars war nach Meinung des Forschers der gleiche Prozess am Werk.
Bei seiner Analyse konnte Schmidt sogar Daten von einem Meteoriten nutzen, den noch nie ein Mensch mit eigenen Augen gesehen hat. Der Mars-Roboter Opportunity analysierte 2005 die chemische Zusammensetzung eines Eisenmeteoriten von der Größe eines Basketballs, der auf der Mars-Oberfläche seine letzte Ruhestätte gefunden hat.
Mitteilung des European Planetary Network Ute Kehse





