Der Jupiter-Mond Europa, unter dessen Eispanzer ein flüssiger Ozean vermutet wird, ist womöglich eine Welt voller aggressiver, korrosiver Substanzen. Zu diesem Schluss kommen Forscher, die die Nasa-Mission “Jupiter Icy Moons Orbiter” planen, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.
Die letzten Daten der im vergangenen September auf den Jupiter gestürzten Sonde Galileo legen nahe, dass es auf der Oberfläche von Europa Wasserstoffperoxid und eine Säure, wahrscheinlich konzentrierte Schwefelsäure, gibt. Das Wasserstoffperoxid ist vermutlich nur direkt an der Oberfläche vorhanden, wo geladene Teilchen vom Jupiter und Wassermoleküle von Europa aufeinander treffen. Die Schwefelsäure ist vor allem an Stellen zu finden, die so aussehen, als hätte sich Flüssigkeit aus dem Ozean über den Eispanzer ergossen.
Das lässt die Forscher vermuten, dass der Ozean entweder Salze wie beispielsweise Magnesiumsulfat enthält, die an der Oberfläche zu Schwefelsäure reagieren, oder aber selbst aus Schwefelsäure besteht. Vulkane am Boden des Ozeans könnten den nötigen Schwefel liefern. “Unter Europas Ozean könnte sich eine zweite Io verbergen”, vermutet Jeff Kargel vom Geologischen Dienst der USA (USGS). Io, Europas Nachbarmond, ist der vulkanisch aktivste Körper des Sonnensystems und schleudert häufig Schwefelfontänen ins All.
Für Astrobiologen, die auf Europa bislang Leben für möglich gehalten haben, sind das schlechte Nachrichten: Starke Säuren und Oxidationsmittel wie Wasserstoffperoxid neigen dazu, organische Verbindungen zu zersetzen. Allerdings gibt es auch auf der Erde Bakterien, die bei einem pH-Wert von null überleben können. Sollte die Nasa jedoch tatsächlich eine Landefähre zu dem Eismond schicken , muss diese jedenfalls aus äußerst korrosionsbeständigem Material gebaut werden. Auch die Pläne, einen Roboter zu bauen, der sich durch den Eispanzer bohrt, stehen nun vor großen Herausforderungen. Letzten Erkenntnissen zufolge, so heißt es im New Scientist, ist diese Kruste nämlich 10 bis 30 Kilometer dick.
Ute Kehse





