Dieser Trend hat sich nun ins Gegenteil verkehrt, wie die Wissenschaftler feststellten. Ihre weltweiten Messungen an Bodenstationen zeigten, dass seit 1985 die Sonneneinstrahlung in Europa, aber auch Amerika, China und Japan wieder deutlich zugenommen hat. Nur in einigen Regionen, wie beispielsweise in Indien, war keine Zunahme zu verzeichnen. Eine unabhängige Analyse von Satellitendaten ? ebenfalls in der Fachzeitschrift “Science” (Bd. 308, S. 850) veröffentlicht ?, bestätigt diese Ergebnisse: Den über Satellit gewonnenen Daten zufolge hat die Sonneneinstrahlung allerdings weniger stark zugenommen.
Hauptursache für die stärkere Sonneneinstrahlung scheint die zunehmend bessere Luft zu sein, erklären die Forscher. Verantwortlich dafür sind etwa wirkungsvollere Filtervorrichtungen, welche die industriellen Schadstoffemissionen in den letzten Jahren stark reduziert haben. Gleichzeitig hat sich die Erdatmosphäre offenbar auch von Umweltkatastrophen wie dem Ausbruch des Pinatubos in den neunziger Jahren langsam wieder erholt. Dies hat ebenfalls zu einer klareren und damit lichtdurchlässigeren Luft geführt.
Die Wissenschaftler weisen jedoch auch auf mögliche negative Folgen der saubereren Luft und dem damit verbundenen stärkeren Sonneneinfall hin: Der Einfluss auf das weltweite Klima und Ökosystem ist noch nicht abzusehen. Beispielsweise könnte der Treibhauseffekt, dem die Luftverschmutzung zumindest teilweise entgegenwirkt, wieder stärker zutage treten.
Martin Wild ( Eidgenössische Technische Hochschule, Zürich) et al.: Science, Bd. 308, S. 847





