Glückliche Zufälle und extreme Abweichungen
Solche Ereignisse waren zwar in der menschlichen Geschichte bisher selten, sie erinnern aber daran, dass die Gefahr eines kosmischen Treffers durchaus real ist, wie die Forscher erklären. Deshalb sei es wichtig, möglichst genau zu wissen, welche Flugbahn ein solcher Bolide hatte und wo er herkam. Denn das helfe dabei, die Wahrscheinlichkeit künftiger Einschläge abzuschätzen. Im Falle des Tscheljabinsk-Meteoriten ließ sich aus Videoaufnahmen vom Boden aus rekonstruieren, dass der Brocken in einem flachen Winkel in die Atmosphäre eintrat und mit rund 18 Kilometern pro Sekunde in Richtung Westen raste. Auch einige Fernerkundungs-Satelliten zeichneten die Gas- und Staubspur des Meteoriten auf, darunter einige geostationäre Wettersatelliten verschiedener Länder, aber auch ein in einer Bahn über die Pole kreisender militärischer Wettersatellit der USA. Durch einen glücklichen Zufall machte er nur wenige Minuten nach der Explosion des Meteors eine Aufnahme, auf der der Staubschweif des Boliden zu erkennen war.
Diese Satellitenbilder liefern wertvolle Zusatzinformationen über die Flugbahn eines solchen Objekts, weil sie ihn von oben oder schräg von der Seite sehen, nicht von unten wie irdische Beobachter. Zudem tasten sie ihr Gesichtsfeld meist in mehr als nur den sichtbaren Wellenlängen des Lichts ab. Doch für die Flugbahn des Tscheljabinsk-Meteoriten sorgten ihre Daten bisher mehr für Verwirrung als für Aufklärung: Denn die in ihren Aufnahmen aufgezeichneten Flugbahnen wichen extrem voneinander ab. Unter allen Satellitenaufzeichnungen gab es keine zwei, die in punkto Position, Höhe oder Flugbahn übereinstimmten. “Die Abweichung ist teilweise so groß, dass die Bahnen von unterschiedlichen Ereignissen zu kommen scheinen”, berichten die Forscher.
Verschobene Perspektive
In ihrer Studie nahmen sich Miller und seine Kollegen diese Satellitenaufnahmen noch einmal vor und untersuchten, wie diese Abweichungen zustande kommen. Dabei prüften sie auch, ob und wie sich aus der Kombination aller Aufnahmen vielleicht doch die tatsächliche Bahn des Meteoriten ermitteln lässt. Wie sich zeigte, liegt der Uneinigkeit der Satelliten ein simpler optischer Effekt zugrunde: “Wenn Objekte vor einem weiter hinten liegenden Hintergrund aus einer schrägen Perspektive angeschaut werden, erscheinen sie versetzt”, erklären die Forscher. Dieser sogenannte Parallaxen-Effekt lässt sich auf einfache Weise nachvollziehen: Hält man seinen Daumen vor das Gesicht und kneift dann erst eines, dann das andere Auge zu, scheint der Daumen vor dem Hintergrund hin und her zu springen. Genau dieser Effekt beeinträchtigt auch die Lagebestimmung der Meteoritenflugbahn durch die Satelliten.





