Er brach mit den ärztlichen Autoritäten und ihren Theorien ebenso wie mit den althergebrachten Therapien: Aderlaß, radikale Diäten und die Verordnung hoher Dosen von Arzneien waren ihm ein Greuel. Auf der Grundlage empirischer Forschungen wie Arzneimittelprüfungen und profunder chemischer Kenntnisse entwickelte er seine homöopathische Lehre mit ihrem „Ähnlichkeitsprinzip“ (heilen können diejenigen Arzneien, die beim gesunden Menschen ähnliche Symptome wie die zu kurierende Krankheit hervorrufen) und der „Potenzierung“ von Arzneistoffen (das heißt die durch Verdünnung erzielte minimale Dosierung eines Wirkstoffs).
Mühsam genug war der Weg des lange von Geldsorgen geplagten Mediziners, der in immer neuen Wohnorten mit einer sich stetig vergrößernden Kinderschar als medizinischer Autor und Übersetzer arbeitete und dabei unbeirrbar seine Lehre weiterentwickelte, allen Anfeindungen durch die medizinische Fachwelt zum Trotz. Seine zahlreichen Heilerfolge, etwa bei der Bekämpfung der Cholera, ließen den inzwischen als Leibarzt des Herzogs von Anhalt-Köthen Tätigen immer bekannter werden, bis er schließlich, der noch als 80jähriger mit einer 35jährigen Französin eine zweite Ehe einging, in Paris zum „Modearzt“ der feinen Gesellschaft avancierte.
Der Stuttgarter Medizinhistoriker Robert Jütte hat dem Begründer der Homöopathie zu dessen 250. Geburtstag eine gründlich recherchierte Biographie gewidmet. Jütte gelingt es, die anschauliche Schilderung des bemerkenswerten Lebenswegs Hahnemanns mit einer gut verständlichen Einführung in Theorie und Praxis der Homöopathie zu verbinden. Dabei wird auch der Blick auf die Medizin der Zeit, auf die Patienten Hahnemanns sowie auf die Verbreitung der neuen Lehre gerichtet.
Rezension: Talkenberger, Heike





