Das Risiko, dass Küstenstädte wie Los Angeles oder Istanbul nach einem Erdbeben von einem Tsunami heimgesucht werden, ist weitaus größer als bislang angenommen. Davor warnen US-Wissenschaftler der University of Texas in Austin. Das Team um Matt Hornbach ist überzeugt: Vor diesen Städten, die in der Nähe von tektonischen Verwerfungen liegen, kann auch schon ein kleineres Erdbeben einen Tsunami auslösen. Bislang dachten die Seismologen, dass Tsunamis vor allem bei Erdbeben im Meer ab einer Stärke von 6,5 entstehen. Auslöser dieser Stöße ist das vertikale Aneinanderreiben der tektonischen Platten. Tsunamis können sich jedoch auch durch Hangrutsche unter Wasser bilden, wenn Sedimente an einer Steilküste ins Rutschen geraten. Für solche Hangrutsche reicht bereits ein Beben der Stärke 4,5 aus. Analysen von Hornbach haben jetzt ergeben, dass rund 30 Prozent der Tsunamis auf solche Rutschungen zurückzuführen sind – und nicht, wie bisher geglaubt, nur 3 Prozent.
Diese Ergebnisse sind auch für die Tsunami-Frühwarnsysteme von großer Bedeutung, denn sie reagieren vor allem auf starke Erdbeben. Hangrutsche sind allerdings schwer vorherzusagen, weil sie vor allem von der Lage und Stabilität der Sedimente unter Wasser abhängen.





