Trotz jahrhundertelanger Erforschung des Himmels sind noch immer einige große astronomische und kosmologische Fragen unbeantwortet oder erst in Teilen geklärt. Dazu gehören die Natur der Dunklen Materie und Dunklen Energie, aber auch Details der kosmischen Entwicklung – beispielsweise, wie so früh nach dem Urknall schon supermassereiche Schwarze Löcher entstehen konnten. Hinzu kommen unzählige kurzlebige Ereignisse, deren Ursachen und Mechanismen noch ungeklärt sind.

Teleskop mit der größten Digitalkamera der Welt
Einiger der noch ausstehenden Antworten erhoffen sich Astronomen nun vom neuen Vera C. Rubin Observatory in Chile. Dieses gerade fertiggestellte Teleskop liegt auf dem Gipfel des 2700 Meter hohen Cerro Pachón. Es profitiert dort von der klaren, trockenen Atmosphäre und kann so auch dank seines 8,40 Meter großen Primärspiegels hochauflösende Bilder erstellen. Herzstück des Teleskops ist die größte jemals konstruierte Digitalkamera: Die hochauflösende 3200 Megapixel-Kamera erfasst mit jedem Bild eine Himmelsfläche, die mehr als der 40-fachen Fläche des Vollmonds entspricht. Gleichzeitig kann sich das Teleskop schnell bewegen und so auch auf kurzlebige Ereignisse reagieren. Dank der Rechenleistung seiner Computer-Infrastruktur kann das Observatorium zudem jede Nacht etwa 20 Terabyte an Daten verarbeiten und dabei bis zu zehn Millionen Veränderungen der beobachteten Objekte am Himmel erfassen. „Das Datenvolumen, das neue Teleskope aufzeichnen, ist beispiellos, auch dank eines Booms von Durchmusterungsteleskopen wie Vera Rubin“, sagt Esra Bulbul vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München.
Dieser hochaufgelöste und gleichzeitig weite und schnelle Blick prädestiniert das Rubin-Observatorium für seine Aufgabe: Es soll im Laufe der nächsten zehn Jahre den südlichen Himmel so umfassend wie nie zuvor zu durchmustern. Dafür erstellt das Teleskop alle drei bis vier Nächte eine Gesamtansicht des Südhimmels. Am Ende der Durchmusterung – Legacy Survey of Space and Time (LSST) genannt – wird es jede Stelle am Himmel mehr als 800-mal hochaufgelöst fotografiert haben. Das Ergebnis ist ein Datensatz mit rund 40 Milliarden Himmelsobjekten, darunter Sternen der Milchstraße, fernen Galaxien und auch Objekten unseres Sonnensystems wie etwa Asteroiden. „Das Observatorium hat ein weites Gesichtsfeld und einen tiefen Blick, es wird Milliarden von Galaxien bei enormen Entfernungen fotografieren“, sagt Bulbul.






