67P/Churyumov-Gerasimenko befindet sich gegenwärtig 405 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, zwischen den Umlaufbahnen von Jupiter und Mars, und rast mit 55.000 Kilometer pro Stunde ins innere Sonnensystem. Dabei wird er immer aktiver und erreicht im Dezember nächstes Jahr den sonnennächsten Punkt seiner 6,5-jährigen Umlaufbahn.
Nach zehn Jahren, fünf Monaten und vier Tagen Reisezeit – fünfmal um die Sonne und insgesamt 6,4 Milliarden Kilometer – hat Rosetta heute endlich sein Ziel erreicht. Das Rendezvous lief im Stillen ab. Bei der ESOC in Darmstadt zeugte lediglich eine rote Zeitanzeige davon, die endlich auf 0 sprang. Die Kontroll-Crew wusste erst 20 Minuten später, dass das Manöver geglückt war, denn so lange brauchten die Funksignale von der Raumsonde zur Empfangsantenne in Australien (und dann noch einmal um die halbe Erde).
Erkunden, nähern, landen
Nun wird die Sonde zwei Monate lang den erst 1969 entdeckten Kometen auf “pyramidalen” Bahnen erkunden. Zunächst aus einer Distanz von etwa 100 Kilometern, dann aus 50 und 30 Kilometer Entfernung. Dabei wird seine Form, Oberflächenbeschaffenheit und Schwerkraft genau vermessen, bis am 11. November der Höhepunkt der Mission stattfindet: Die Landung von Rosettas Robotersonde Philae auf dem Kometenkern selbst. Das wird etwa mit Schrittgeschwindigkeit geschehen – ein schwieriges Unterfangen, weil der Lander nicht stark zurückprallen und ins All entweichen darf.
Wichtig ist in den nächsten Wochen, gute Landeplätze zu finden. Daher wird Rosetta den Kometenkern jetzt sehr genau inspizieren. “Wir fühlen durch die Ablenkung der Sonde bereits die Schwerkraft des Kometen und werden so bald die Kometenmasse auf zehn Prozent genau wissen”, sagte Frank Budnik, zuständig für ESA Rosetta Flight Dynamics, auf der heutigen Pressekonferenz in Darmstadt. “Rosetta wird dann auf zehn Kilometer an den Kometen herangehen und einen kreisförmigen Orbit einnehmen, um Landplätze genauer zu charakterisieren.”
Ein relativ warmer Doppelkörper
Die erste große Überraschung war, dass 67P/Churyumov-Gerasimenko ein Doppelkörper ist. Vielleicht das Produkt einer langsamen Kollision in grauer Vorzeit, vielleicht das Relikt eines heftigen Einschlags. Die Oberfläche des Kometen ist zerklüftet. Teils gibt es über 100 Meter hohe Klippen, teils ebene Flächen, ferner Einschlags- oder Ausgasungs-Strukturen. Der Kern rotiert einmal alle zwölf Stunden.
Außerdem hat VIRTIS (Visible and Infrared Thermal Imaging Spectrometer), eines der insgesamt 21 wissenschaftlichen Instrumente an Bord von Rosetta, bereits erste Temperaturmessungen des Kometen gemacht. Durchschnittlich herrschen minus 70 Grad Celsius. Die Forscher schließen daraus, dass die Oberfläche des Kometenkerns überwiegend dunkel und staubig ist und nicht aus reinem Eis besteht. Das ist aber auch vorhanden, denn Rosetta beobachtet, wie Wassereis verdampft.





