“Bei unserem Projekt rechnen wir mit über 10000 Teilnehmern”, erklärt Prof. Hanns Ruder, Chef des Tübinger Instituts. “Dadurch haben wir mehr Rechnerzeit, als wir an irgendwelchen Großrechnern jemals bekommen würden. Wir wollen die Computerleistung nutzen, die rumschimmelt, wenn man lediglich im Internet herumsurft. Von dem, was in einem Computer an Rechenleistung steckt, wird gewöhnlich nur ein Millionstel genutzt. Den gewaltigen Rest kann uns jeder zur Verfügung stellen, ohne daß er eine Einbuße hat.
“Der riesige Aufwand gilt den geheimnisvollen Röntgen-Pulsaren, die Röntgenstrahlung in einem bestimmten Verteilungsmuster in den Raum schicken. Seit rund 20 Jahren registrieren Satelliten diese Strahlung. Doch wieviel davon in welche Richtungen emittiert wird, ist immer noch ein Rätsel.
Der Röntgenstrahler ist stets ein winziger, hochverdichteter Stern, 1,4mal so schwer wie die Sonne, aber nur 20 Kilometer dick. “Die Quellen der Röntgenstrahlung sind die Millionen Grad heißen Hotspots an Nord- und Südpol”, erläutert Ruder. “Sie strahlen nach dem gleichen Prinzip wie eine Röntgenröhre beim Arzt. Wo ihre Strahlung hingeht – senkrecht nach oben oder seitlich oder sonstwohin – dazu gibt es verschiedene Theorien, über die noch nicht entschieden ist.”
Zu uns kommt diese Strahlung nicht auf direktem Weg. Sie muß zum Beispiel gegen abstürzende Materie ankämpfen, an deren Teilchen sie gestreut wird. Dabei können die Röntgen-Photonen auch zur Pulsaroberfläche zurückgeschleudert werden, wo sie reflektiert und erneut ausgesandt werden.
Die Astronomen versuchen, den Weg von Millionen oder sogar Milliarden Röntgen-Photonen bei zufälligen Zusammenstößen mit den Hochgeschwindigkeitsteilchen zu berechnen. Für jeden einzelnen Datensatz werden rund eine Milliarde Photonen losgeschickt und ihr Weg bis zum Beobachter rechnerisch verfolgt. Am Ende sollte sich ein Modell herausschälen, das mit den Meßwerten der Satelliten übereinstimmt.
Vor allem Schulen sollen für das Projekt gewonnen werden, und zwar durch einen Wettbewerb, der seit Anfang März bis zum 30. Juni 2000 läuft. Die Schule, die bis dahin die meiste Computerzeit zur Verfügung stellt, bekommt ein Fernrohr “NexStar5” und einen Laptop von IBM – kein schlechter Lohn für ein paar Mausklicks.





