Der sonnnennächste Planet Merkur ähnelt dem Erdmond viel weniger, als die Astronomen dachten. Das ist das überraschende Ergebnis von Beobachtungen der Raumsonde Messenger (Akronym aus MErcury Surface, Space ENvironment, GEochemistry and Ranging). Nach über drei Jahrzehnten hat sie erstmals neue Fotos des kleinsten Planeten im Sonnensystem zur Erde gefunkt – von Regionen, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat.
Nach ihrem ersten Vorbeiflug an Merkur am 14. Januar 2008 in nur 200 Kilometer Minimaldistanz hat Messenger 1213 Bilder übertragen, außerdem Höhenprofile, Spektralmessungen und weitere wissenschaftliche Daten. Es war der erste von drei Vorbeiflügen – die nächsten erfolgen im Oktober 2008 und im September 2009 –, bevor die am 3. August 2004 gestartete NASA-Sonde 2011 in eine Umlaufbahn um Merkur einschwenkt, um ihn im Detail zu erforschen. Zuvor hatte nur eine einzige Raumsonde den 4879 Kilometer großen Himmelskörper erkundet: Mariner 10 passierte ihn 1974/5 dreimal und inspizierte dabei etwa 45 Prozent seiner Oberfläche.
Schon die ersten Schnappschüsse von Messenger sorgten für Überraschungen: Die Forscher sahen darauf riesige Klippen, teilweise mehrere Hundert Kilometer lang und viele Hundert Meter hoch. Sie sind Zeugnisse gewaltiger Druckspannungen in Merkurs einst glutflüssiger Kruste.
Messenger hat auch das Caloris-Einschlagbecken, von dem erst eine Hälfte bekannt war, erstmals vollständig überblickt. Mit 1550 Kilometern ist sein Durchmesser ein Fünftel größer als bislang angenommen. Erstaunlicherweise hat das Innere von Caloris eine relativ glatte und helle Oberfläche – und sieht damit ganz anders aus als die von Kratern zernarbte Umgebung des Beckens. Auf dem Mond sind die großen Einschlagbecken dagegen mit dunkler, silikatarmer Basaltlava gefüllt. Noch ist unklar, ob das einst geschmolzene Material am Caloris-Boden durch den Planetoiden-Einschlag vor über drei Milliarden Jahren aus der Tiefe des Planeten nach oben quoll, oder ob es vulkanischen Ursprung ist – wie beim Mond.
Messenger ist überdies eine exzellente Vorbereitung für die wissenschaftlich noch ambitioniertere europäische Merkur-Sonde BepiColombo, die 2013 starten soll.
Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de





