von THORSTEN DAMBECK
Die rotbraunen Wüsten auf dem Mars wurden schon eingehend erkundet. Doch wie es darunter aussieht, war bisher weitgehend unklar. Die NASA-Sonde InSight, die 2018 in der Nähe des Äquators gelandet war (bild der wissenschaft 6/2020, „Die Unterwelt des Roten Planeten“), ermöglicht nun erstmals Einblicke ins Marsinnere.
Anders als die amerikanischen Rover Curiosity und Perseverance oder das chinesische Fahrzeug Zhurong ist InSight ein stationäres Landegerät. Der Blick unter die Oberfläche gelang mit dem SEIS-Instrument (Seismic Experiment for Interior Structure), das unter französischer Leitung entwickelt wurde. Ein Roboterarm der Sonde hatte das halbkugelförmige Gerät einen Monat nach der Landung auf dem Marsboden abgesetzt.
SEIS kann noch Bewegungen des Bodens registrieren, die weniger als 0,001 Millimeter betragen – egal ob sehr langsam, mit 0,001 Hertz, oder schnell, mit bis zu 50 Hertz. Dank dieser hohen Bandbreite bemerkt das hochempfindliche Instrument sogar kleinere Staubstürme, die Dust Devils (bild der wissenschaft 6/2020, „Methan, Meteoriten und Staubteufel“). Auch Erschütterungen durch Erdrutsche oder Meteoriteneinschläge sind mit SEIS nachweisbar. Selbst die geringen Deformationen der Marskruste, die durch die Gezeiten des kleinen Mondes Phobos ausgelöst werden, soll SEIS erspüren können. Dazu wurden allerdings noch keine Daten veröffentlicht.
Signale aus dem Untergrund
Doch die Hauptaufgabe des Instruments ist die Messung von Marsbeben. Über zwei Jahre lang wurde das seismische Erzittern des Untergrunds registriert – mehr als 1500 Mal, seit SEIS Anfang 2019 eingeschaltet wurde. Kaum eines der gemessenen Beben übertraf den Wert 4,0 auf der Momenten-Magnitudenskala. Ein zusätzlicher Punkt auf dieser logarithmischen Skala bedeutet eine Zunahme um den Faktor 31,6, wobei die Skala bei einem Wert von 10,6 endet. Alle Beben waren demnach relativ schwach: Spüren können hätten sie nur Astronauten, die sich im Umkreis weniger Kilometer um das Epizentrum aufhalten – der Ort auf der Oberfläche direkt über dem Bebenherd. Am 18. September hatte InSight seinen tausendsten Marstag – und eines der längsten und stärksten Beben registriert. Es dauerte rund 90 Minuten und hatte eine Magnitude von 4,2 – wie ein anderes vom 25. August, dessen Ursprung rund 8500 Kilometer entfernt war.
Erste detaillierten SEIS-Auswertungen sind im Juli in der Zeitschrift Science erschienen. Die Studien untersuchten die äußere Kruste, den Mantel und den metallischen Kern. Ähnlich wie die Erde ist auch der Mars schalenartig aufgebaut. Informationen über seine Schichtenfolge lassen sich nach einem einfachen Prinzip ermitteln: Wenn die seismischen Wellen eines Bebens den Planetenkörper durchdringen und in einer bestimmten Tiefe auf Schichtgrenzen stoßen, werden sie dort reflektiert oder gebrochen. Das Signal dieser Grenzen wird dann in den Seismogrammen sichtbar. Die Wissenschaftler können so gleichsam von der Oberfläche bis zur Mitte der Marskugel vorstoßen.





