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Regenwald erholt sich besser als befürchtet
Erde & Umwelt

Regenwald erholt sich besser als befürchtet

Unberührter Regenwald im Nordwesten Ecuadors. Diesen Wald haben Forscher mit dem von regenerierten Flächen verglichen. · Foto: Javier Aznar

Was passiert mit gerodeten Regenwaldflächen, wenn sie wieder der Natur überlassen werden? Das haben Forschende in einem Naturschutzgebiet in Ecuador beobachtet. Die Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung: Auf ehemaligen Weiden und Kakaoplantagen wachsen rasch neue Bäume nach und auch viele zuvor verschwundene…
Autor
Redaktion
27. April 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Tropische Regenwälder beherbergen fast zwei Drittel aller Wirbeltierarten und drei Viertel aller Baumarten. Sie sind das artenreichste Landökosystem der Erde. Rund 60 Prozent dieser vielfältigen Regenwälder sind jedoch bereits durch menschliche Aktivitäten verloren gegangen oder stark geschädigt worden, IDie Waldfläche nimmt weiterhin drastisch ab, vor allem durch Rodungen für die Landwirtschaft. Zugleich versuchen Naturschutzorganisationen, Flächen aufzukaufen und der Natur zurückzugeben. Doch wie erfolgsversprechend sind solche Maßnahmen?

regenerierter REgenwald
Ein innerhalb weniger Jahre aus einer ehemaligen Viehweide neu gewachsener Wald in Ecuador. © Nico Blüthgen

Zurück zur Natur

Mit dieser Frage hat sich ein Team um Timo Metz von der Technischen Universität Darmstadt beschäftigt. Dazu analysierten die Forschenden den Zustand des Regenwaldes auf 62 Flächen in der Region Chocó im Nordwesten Ecuadors. Hier engagiert sich die örtliche Naturschutzorganisation Jocotoco seit mehreren Jahrzehnten für den Schutz des Regenwaldes und hat zahlreiche ehemalige landwirtschaftliche Flächen in ein großes Naturschutzgebiet integriert. Zu den in die Studie einbezogenen Flächen zählten aktiv genutzte Weiden und Kakaoplantagen, unberührte Urwälder sowie unterschiedlich alte neu gewachsene Wälder auf Flächen, die zuvor als Weide oder Kakao-Plantage genutzt wurden.

Das Ergebnis: Sobald die Landnutzung eingestellt wurde, sprossen auf den ehemaligen Agrarflächen bald die ersten Keimlinge von Regenwaldbäumen. Auch viele Tierarten siedelten sich wieder an. Innerhalb von 30 Jahren waren drei Viertel der Tier- und Pflanzenarten, die für unberührte tropische Regenwälder typisch sind, zurückgekehrt, und die Artenvielfalt hatte sich auf rund 90 Prozent des ursprünglichen Niveaus regeneriert. „Regenwälder als komplexes Ökosystem und artenreiche Gemeinschaft zeigen eine erstaunliche Resilienz und die Fähigkeit, wieder in den ursprünglichen Zustand zurückzukehren“, sagt Metz. „Diese Stabilität wurde oft theoretisch modelliert, konnte aber bisher noch nicht auf Basis solch umfangreicher, empirischer Daten gezeigt werden.“

Tiere als Helfer

Wie das Forschungsteam feststellte, erholten sich Flächen, die zuvor als Kakao-Plantagen gedient hatten, schneller als ehemalige Weideflächen. Denn dort gab es bereits schattenspendende Bäume, die das Wachstum von Gras begrenzten und die Grundlage für eine erneute Bewaldung schufen. Auch die Tiere spielen eine wichtige Rolle für die Renaturierung: „Die vielen schnell zurückkehrenden Tierarten sind nicht nur Profiteure der Wald-Regeneration, sondern sind auch deren wichtigste Akteure“, erklärt Metz‘ Kollege Nico Blüthgen. „Fledermäuse, Affen und andere Säugetiere sowie Vögel bringen die Baumsamen wieder in die gerodeten Flächen, Dungkäfer graben die Samen in den Boden, Hunderte anderer Tierarten sorgen für die Bestäubung.“

Aus Sicht von Jocotoco-Leiter Martin Schaefer sind die Ergebnisse eine Bestätigung für die Arbeit seiner Organisation. „Die Erkenntnis, dass 90 Prozent der Artenvielfalt innerhalb einer Menschengeneration aus eigener Kraft zurückkommen, zeigt, wie effektiv wir die Natur schützen können“, sagt er. „Indem wir Flächen kaufen und schützen, können wir die Vielfalt des Lebens und die Grundlagen unserer Gesellschaften – Böden, Wasser und die Bestäubung der Pflanzen, die unsere Lebensmittelgrundlage sind – bewahren.“

Eine wichtige Voraussetzung für diese natürliche Regeneration ist den Forschenden zufolge allerdings, dass es noch genügend Wälder in der Umgebung gibt, von denen aus sich Pflanzensamen und Tiere wieder ausbreiten können. Auch deshalb ist der Schutz intakter Ökosysteme besonders wichtig. „Die Abholzungsrate von tropischen Wäldern ist derzeit viel höher als deren Schutzmaßnahmen“, sagt Blüthgen. „Jedes Jahr gehen vier bis sechs Millionen Hektar weltweit verloren. Diese jährlichen Verluste sind damit fast so hoch wie die Fläche aller langfristig angelegten Renaturierungsmaßnahmen zusammen.“

Quelle: Timo Metz (Technische Universität Darmstadt) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-026-10365-2

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