Die NEAR-Sonde ist eigentlich nicht für eine Landung konzipiert. Trotz Feuern der Bremsraketen wird sie bei der Landung noch neun Stundenkilometer schnell sein. Daher schätzt der Projektleiter Robert Farquhar von der John-Hopkins-University die Chancen, dass die Sonde den Aufprall heil übersteht, auf nur ein Prozent.
Trotzdem wollen die Forscher den Versuch wagen: Die Sonde hat fast fünf Jahre nach ihrem Start so gut wie keinen Treibstoff mehr und würde ohne das Landemanöver ihr weiteres Dasein nur als Weltraumschrott fristen.
Falls NEAR nächste Woche die Landung heil übersteht, wird man auf der Erde noch einige Zeit lang schwache Lebenszeichen von der Sonde empfangen. Ihre Mission war ein voller Erfolg: NEAR war die erste Sonde, die auf eine Umlaufbahn um einen Asteroiden gebracht wurde und hat während ihrer einjährigen Umrundung von Eros zehnmal mehr Daten gesendet als ursprünglich geplant. Mit der Landung auf einem Asteroiden würde nicht nur Neuland in der Raumfahrt betreten, Farquhar und seine Kollegen hoffen darüber hinaus, dass die Sonde auf ihrem Weg zur Landung hochauflösende Bilder von der Eros-Oberfläche zur Erde sendet. “Der erste Landungsversuch auf einem Asteroiden ist nach Klärung aller ursprünglichen Fragestellungen der krönende Abschluß einer erfolgreichen Mission. Alle Erfahrungen, die wir hierbei sammeln sind Bonusinformationen”, so Farquhar.
Wissenschaftler interessieren sich für Asteroiden, weil man glaubt, dass sie aus den ursprünglichen Bausteinen unseres Sonnensystems bestehen. Man erhofft sich daher aus der NEAR-Mission neue Einblicke in die frühe Geschichte seiner Entstehung – als solche Felsbrocken sich zusammen mit Eis und Dreck zu Planeten formten.
Eros ist mit 34 km Länge und 13 km Breite größer als Manhattan und der zweitgrößte der sogenannten “erdnahen” Asteroiden. Auf seiner elliptischen Bahn kommt er der Erde auf bis zu 19 Millionen Kilometer nahe (Abstand Erde-Sonne: 150 Millionen Kilometer). Derzeit ist Eros 316 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Für die nächsten 1,5 Millionen Jahre besteht daher keine Gefahr einer Kollision.
Wie man durch die NEAR-Mission heute weiß, hat Eros im Inneren einen festen Kern. Dieser Kern besteht aus einem einheitlichen Material, dass älter ist als die Erde. Der Geologe Joe Ververka von der Cornell University berichtet von überraschenden Beobachtungen auf der Oberfläche von Eros: “Wir haben gesehen, wie feiner Sand sich von Hügeln in tiefer gelegene Gebiete bewegt und so in Kratern flache Oberflächen erzeugt, obwohl Eros nur ein Tausendstel der Erdgravitation aufweist. Das ist für uns ein großes Rätsel und wir müssen uns das noch genauer anschauen”, so Ververka.
Arndt Dürr





