Die NASA-Raumsonde Lucy ist im Oktober 2021 zu einer Mission gestartet, die mehr über eine spezielle Art von Asteroiden in Erfahrung bringen soll: die Trojaner des Jupiter. Dabei handelt es sich um zehntausende bis zu 250 Kilometer große Asteroiden, die den Gasriesen 60 Grad vor und nach ihm auf seiner Bahn um die Sonne begleiten. Weil sich an diesen beiden Lagrangepunkten die Anziehungskräfte von Sonne und Jupiter die Waage halten, können Objekte dort lange Zeit in stabilen Umlaufbahnen kreisen. Planetenforscher vermuten, dass viele Jupiter-Trojaner schon während der Innenwanderung des jungen Jupiter aus weiter außen liegenden Bereichen des Sonnensystems eingefangen wurden. Diese Asteroiden könnten daher verraten, ob diese Wanderung des Planeten stattgefunden hat. Doch bevor die Raumsonde Lucy im Jahr 2027 bei den Trojanern des Jupiter ankommt, muss sie den Asteroidengürtel passieren, der zwischen Mars und Jupiter liegt. Er bietet der Sonde beste Gelegenheit, zuvor noch ein paar Vorbeiflüge an „normalen“ Hauptgürtel-Asteroiden durchzuführen und Vergleichsdaten zu sammeln.
Ein Asteroiden-Trabant entpuppt sich als Duo
In der Nacht zum 2. November 2023 hat Lucy ihre erste nahe Passage im Asteroidengürtel absolviert: Sie flog in nur 430 Kilometer Abstand an dem rund 700 Meter großen Asteroiden Dinkinesh vorbei. Diese Passage diente als erster Test für das Trackingsystem der Sonde, das ihre wissenschaftlichen Instrumente und Kameras während des schnellen Vorbeiflugs immer auf den Zielasteroid ausgerichtet hält. Wie sich anhand der Daten der Sonde zeigte, war diese Generalprobe ein Erfolg: „Sie belegen, dass das Trackingsystem genauso arbeitet wie es sollte“, sagt Navigations-Ingenieur Tom Kennedy von Lockheed Martin. Doch als die ersten Aufnahmen von diesem Vorbeiflug enthüllten auch etwas völlig Unerwartetes: Hinter dem größeren Asteroiden lugte ein kleinerer, rund 220 Meter großer Begleiter hervor. Demnach hat Dinkinesh einen Trabanten. „Die Tatsache, dass es sich sogar um zwei Asteroiden handelt, macht das Ganze noch spannender”, sagt Keith Noll vom Goddard Space Flight Center der NASA. “In gewisser Hinsicht ähneln diese beiden Asteroiden dem von der DART-Mission besuchten Asteroiden-Paar Didymos und Dimorphos, aber es gibt einige sehr interessante Unterschiede, die wir jetzt näher untersuchen werden.“
Seither hat die Raumsonde Lucy weitere Aufnahmen von ihrer ersten Asteroidenpassage “nach Hause” geschickt – und diese brachten eine weitere Überraschung mit sich: Der rund 220 Meter kleine Asteroidenmond ist kein einzelnes kompaktes Objekt, wie es in den ersten Bildern schien. Stattdessen ist er ein Doppelmond aus zwei sich berührenden rundlichen Brocken. Planetenforscher sprechen in einem solchen Fall von einem Kontakt-Doppelsystem. “Wir hätten nie etwas so Bizarres erwartet”, sagt Lucy-Projektmitglied John Spencer vom Southwest Research Institute. “Wir haben bisher nur wenige solcher Kontakt-Doppelsysteme von Nahem gesehen – und noch nie eines, das um einen anderen Asteroiden kreist.” Der wissenschaftliche Leiter der Lucy-Mission, Hal Levison vom Southwest Research Institute ergänzt dazu: “Vor allem erstaunt mich, dass die beiden Komponenten des Trabanten so gleiche Größen haben.”





