von RÜDIGER VAAS
Kosmische Gammastrahlen-Ausbrüche, kurz GRBs oder Gammablitze genannt, zeigen sich ungefähr einmal am Tag irgendwo am Himmel. Sie dauern höchstens wenige Minuten und entstehen bei der Kollision von Neutronensternen oder der Detonation massereicher Sterne. Nun hat das Gammastrahlen-Weltraumteleskop Fermi jedoch einen rund sieben Stunden langen GRB entdeckt. Das teilte Eliza Neights vom Goddard Space Flight Center der NASA für das Fermi-Team mit. Nie zuvor wurde ein solches Phänomen bemerkt. Wodurch wurde es verursacht?
Die Explosion mit der Katalognummer GRB 250702B ereignete sich am 2. Juli 2025 irdischer Zeit im Sternbild Adler. Sie war mit über 1047 Joule eine der energiereichsten dieser Art. Andere Gamma- und Röntgensatelliten haben den Ausbruch ebenfalls gemessen, teilweise schon am Tag vorher. Daraufhin haben andere Teleskope die Quelle in Wellenlängen vom sichtbaren Licht bis zum Radiobereich beobachtet. Daran beteiligt waren die weltbesten Observatorien: das Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile sowie die Weltraumteleskope Hubble und Webb. Sie maßen ein schwaches Nachglimmen im Infrarotbereich in einer Sternentstehungsregion in einer mehrere Milliarden Lichtjahre fernen, ungewöhnlich großen, hellen und staubigen Galaxie (Rotverschiebung 1,04). Im Gegensatz zum ersten Anschein stammt GRB 250702B also nicht aus unserer Milchstraße.
Außerdem variierte die Intensität der Gammastrahlen im Sekundentakt, als würden sie pulsieren. „Die Quelle ist sehr ungewöhnlich in ihrer Dauer, etwas ungewöhnlich in ihrer Umgebung und auffällig aufgrund dieser seltsamen Periodizität“, kommentiert der Astrophysiker Brian Metzger von der Columbia University in New York.
Die Schwankungen der Leuchtkraft könnten durch einen Stern hervorgebracht worden sein, der rasch um ein stellares Schwarzes Loch kreiste, das ihm Materie entzog. Sobald sie auf die Akkretionsscheibe um das Schwarze Loch stürzte, hätte dieses Inferno energiereiche Gammastrahlen erzeugt, mutmaßen Paz Beniamini und zwei Kollegen von der Universität Israel in Ra’anana.
Andere Forscher vermuteten, dass die Strahlung in der Umgebung eines supermassereichen Schwarzen Lochs entstand. Dass solche Ungetüme immer wieder ganze Sterne fressen, wurde bereits mehrfach beobachtet. In einem Fall, einer 2011 entdeckten Quelle namens Sw 1644+57, konnten vier GRBs über einen Zeitraum von zwei Jahren gemessen werden. Aber GRB 250702B stammt nicht aus dem Zentrum seiner Heimatgalaxie. Vielleicht befindet sich in deren Außenbezirk ein intermediäres Schwarzes Loch von über 10.000 Sonnenmassen, das einen Weißen Zwergstern zerrissen hat? Diese Hypothese könnte einem internationalen Team um Rob Eyles-Ferris von der britischen University of Leicester zufolge die Messdaten einigermaßen erklären. Dagegen sprechen allerdings die rasche Helligkeitsvariation und die lange Dauer der Gamma-Emission.





