Weltweit lauschen gleich mehrere große Radio-Observatorien ins All hinaus. Mit den sensiblen Antennen können diese Teleskope Phänomene im All beobachten, die langwellige elektromagnetische Strahlung aussenden. Solche Radiowellen entstehen unter anderem in den energiereichen Teilchenjets Schwarzer Löcher, bei Strahlenausbrüchen von Sternen, in Supernovae oder auch im Magnetfeld rotierender Neutronensterne. Astronomen bezeichnen kurzlebige, vorübergehende Phänomene als “transient”. Die Dauer der von einem Objekt eingefangenen Radiosignaturen verrät dabei meist, um was es sich handelt: Die transienten Signale von Sternexplosionen erscheinen plötzlich, halten aber über Tage bis Wochen an. Im Gegensatz dazu können die Signale von Pulsaren oder die ultrakurzen Pulse der sogenannten Fast Radiobursts nur Millisekunden andauern.
Radiopulse mit ungewöhnlicher Periode
Umso überraschender ist eine Entdeckung, die ein Team um Natasha Hurley-Walker vom International Centre for Radio Astronomy Research (ICRAR) in Australien gemacht hat. Für ihre Studie hatten die Astronomen archivierte Daten des Murchison Widefield Array (MWA), einem Radioteleskop im Outback von Westaustralien, mithilfe eines neuentwickelten Suchalgorithmus nach transienten Radiosignalen durchforstet. “Das breite Sichtfeld und die hohe Sensitivität des MWA sind perfekt dafür geeignet, den gesamten Himmel zu überwachen und auch, um Unerwartetes zu finden”, sagt Co-Autor Tyrone O’Doherty vom ICRAR. Bei ihrer Suche gingen dem Team 71 energiereiche Radiopulse ins Netz, die alle von derselben Quelle zu stammen schienen. Diese liegt rund 4000 Lichtjahre von uns entfernt – nach Maßstäben der Radioastronomie ist dies gewissermaßen in unserem galaktischen Hinterhof.
Die einzelnen Radiopulse waren jeweils 30 bis 60 Sekunden lang und wiederholten sich im Abstand von jeweils 18,18 Minuten. “Dies ist eine ungewöhnliche Periodizität, die unseres Wissens nach noch niemals zuvor beobachtet worden ist”, berichten die Astronomen. Denn diese Radioquelle liegt mit diesem “Blinkmuster” genau zwischen den langsamen und schnellen Transienten. Ungewöhnlich auch: In zwei jeweils 30 Tage langen Phasen sendete die Quelle diese Radiopulse regelmäßig wie ein Uhrwerk. “Immer dann, wenn wir den nächsten Puls erwarteten, traf er auch ein – es gab keine Ausfälle zwischendurch”, so das Team. Zwischen diesen beiden “An”-Phasen gab es jedoch eine 26 Tage lange Pause, in der gar keine Pulse detektiert wurden. “Das ist völlig unerwartet”, sagt Hurley-Walker. “Für einen Astronomen ist das fast schon unheimlich, denn es gibt am Himmel nichts Bekanntes, das sich so verhält.” Beide 30-tägigen Phasen der Radiopulse stammen von Anfang 2018. In den Daten seither konnte das Team keine weiteren dieser Signale mehr identifizieren.





