Die reaktionsfreudige Sauerstoff-Verbindung-Ozon ist zum einen als Bestandteil des Sommer-Smogs bekannt, zum anderen durch ihren Schwund in der Stratosphäre über den Polen. Forscher des amerikanischen National Center for Atmospheric Research widmeten sich jetzt der Ozonchemie in den Luftschichten zwischen Boden und Stratosphäre und entdeckten Überraschendes.
In der Fachzeitschrift Journal of Geophysikcal Research – Atmospheres berichten Elliot Atlas und Kollegen, warum der Ozonwert in der unteren und mittleren Troposphäre ? in zwei bis acht Kilometern Höhe ? im Frühjahr sein Maximum erreicht. Bei Messungen vom Flugzeug aus stellten die Forscher fest, dass die stärker werdende Frühlingssonne chemische Reaktionen begünstigt, die Ozon über Nordamerika entstehen lassen.
Die zweite vorher erwogene Möglichkeit, dass Ozon aus der höheren Stratosphäre in die Troposphäre absinkt, stellte sich dagegen als weniger wichtig heraus. “Das Ozon aus der Stratosphäre trägt wenig zum Anstieg im Frühjahr bei, macht aber einen erheblichen Anteil der Hintergrund-Werte aus”, schreiben die Forscher. Im späten Frühling wird fünf Mal mehr Ozon in der mittleren Troposphäre produziert als von anderswo zugeliefert. Auf die einfallende UV-Strahlung hat das Ozon in der Troposphäre wenig Einfluss, da dort insgesamt viel weniger von dem Gas entsteht als in der höheren Atmosphäre.
Die Forscher stellten außerdem fest, dass an Ozon arme Bodenluft, die in der Arktis im Winter durch chemische Reaktionen mit Chlor und Brom aus dem Meerwasser entsteht, sich bis zur Hudson Bay ausbreiten kann. In bodennahen Luftschichten gilt Ozon als Schadstoff, da es beim Menschen Gesundheitsschäden hervorrufen kann und außerdem schädlich für Getreide ist.
Ute Kehse





