Es ist ein neues Rätsel für die Marsforscher: In den warmen Monaten bilden sich auf einigen Bergflanken dünne, fingerartige Strukturen, die im Winter wieder verblassen. Wahrscheinlich ist Salzwasser an der Entstehung beteiligt, schreibt jetzt ein Forscherteam um Alfred McEwen. Die Forscher entdeckten die Linien auf Bildern der Sonde Mars Reconnaissance Orbiter.
Die dunklen Finger sind zwischen einem halben und fünf Metern breit und können einige hundert Meter lang werden. Sie sind sehr selten: Insgesamt fanden die Forscher nur sieben Stellen, an denen die dunklen Streifen auftreten. Die Fundorte lagen in den mittleren Breiten der Südhalbkugel des Mars, auf steilen Abhängen, die Richtung Äquator zeigen.
Die Forscher stellten fest, dass die Linien auftauchen, wenn es warm wird auf dem Mars. Sie erscheinen zwischen dem späten Frühjahr und dem Frühherbst, wenn die Temperaturen zwischen minus 20 Grad Celsius und dem Gefrierpunkt liegen. “Sie sind stark von den Jahreszeiten abhängig”, sagt Co-Autor Lujendra Ojha. “Wir haben beobachtet, dass einige in nur zwei Erdmonaten um 200 Meter wachsen.” Im Winter verblasst die dunkle Farbe, doch im nächsten Frühjahr erscheinen die Linien erneut.
Wie die Linien entstehen, wissen die Forscher noch nicht genau. “Vermutlich fließt Salzwasser die Abhänge hinab. Das ist die beste Erklärung, die wir bislang haben”, sagt Alfred McEwen. Der Forscher vermutet, dass nur wenige Liter reichen, um einen Streifen zu erzeugen, und dass das Wasser entweder schnell sublimiert oder unter der Oberfläche fließt. Beweisen können die Forscher ihre Vermutung allerdings nicht, da die Messungen des Spektrometers des Mars Reconnaissance Orbiter keinen Hinweis auf Wasser zeigen.
“Die Linien sind nicht dunkel, weil sie nass sind”, sagt McEwen. Es sei zum Beispiel denkbar, dass ein Rinnsal die Sandkörner des Abhangs umschichtet oder die Beschaffenheit der Oberfläche verändert. Warum die Linien im Winter wieder verblassen, ist schwerer zu erklären. Mit den breiten Abflussrinnen (“Gullies”), die Marsforscher an zahlreichen Abhängen auf dem Mars entdeckt haben, haben die dunklen Linien jedenfalls nichts zu tun: Die Rinnen verändern sich zwar auch, aber dabei ist kein Zusammenhang mit den Jahreszeiten erkennbar. Zudem sind sie wesentlich breiter und häufiger.
Alfred McEwen (University of Arizona, Tucson) et al.: Science, Bd. 333, S. 740 wissenschaft.de – Ute Kehse





