Ein heller Fleck in der Atmosphäre des Saturnmondes Titan hält Planetenforscher in Atem. Seit seiner Entdeckung durch die Raumsonde Cassini im Juli 2004 hat sich die Größe und Helligkeit des Fleckes zweimal innerhalb weniger Monate verdoppelt, berichtet der Astronom Robert Nelson vom Jet Propulsion Laboratory.
Der Fleck, der einen Durchmesser von 400 Kilometern hat und südlich einer größeren hellen Region namens Xanadu liegt, war im März 2005 doppelt so hell wie bei seiner Entdeckung neun Monate vorher. Im November 2005 hatte der Fleck wieder seine ursprüngliche Helligkeit erreicht, im Dezember strahlte er erneut heller. Gleichzeitig mit dem Aufleuchten vergrößerte sich auch die Fläche des Flecks: Er wuchs von 70.000 auf 140.000 Quadratkilometer an.
Nelson, der die Daten des Cassini-Spektrometers analysierte, vermutet, dass ein Vulkan hinter den Erscheinungen steckt. Der Forscher schließt aus, dass es sich um eine normale Wolke oder Bodennebel handelt. Seiner Meinung nach wird das Aufleuchten durch Eruptionen verursacht. Die Radarmessungen von Cassini haben bereits Hinweise darauf ergeben, dass es auf Titan Vulkane gibt. Bislang gab es aber keinen eindeutigen Beweis dafür, dass der Mond zurzeit vulkanisch aktiv ist. Aus einem titanischen Vulkan dürfte allerdings keine glutflüssige Lava, sondern eine Mischung aus Ammoniak, Wasser und Methan quellen.
Andere Forscher bezweifeln, dass Nelsons Argumentation schlüssig ist. Jason Barnes von der Universität von Arizona in Tucson merkte zum Beispiel an, dass der helle Fleck genauso kalt ist wie der Rest des Mondes, nämlich minus 179 Grad Celsius. Eine flüssige Ammoniak-Wasser-Mischung müsste dagegen mindestens eine Temperatur von minus 100 Grad haben. “Wenn es dort einen Temperatursprung um 10 oder 20 Grad gäbe, wäre das ein überzeugendes Argument”, sagte der Forscher dem britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist. Um herauszufinden, was die Helligkeitsschwankungen verursacht, sei es nötig, die chemische Zusammensetzung des Fleckes zu ermitteln.
Robert Nelson (Jet Propulsion Laboratory, Pasadena): Beitrag auf der Planetentagung der American Astronomical Society, Pasadena Ute Kehse





