Was leuchtete unter dem Kopf des Schwans?
„Das Objekt galt für viele Jahre als Nova, aber je länger es untersucht wurde, desto weniger sah es nach einer gewöhnlichen Nova oder irgendeiner anderen Art von explodierenden Sternen aus”, erklärt Tomasz Kamiński vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Während des 20. Jahrhunderts zeichnete sich zunehmend ab, dass die meisten Novae als explosive Ausbrüche in engen Doppelsternsystemen erklärt werden können. Dabei kommt es meist zu einem Materietransfer von einem Roten Riesen auf einen Weißen Zwerg. Dies führt bei dem Empfänger letztlich zu einer Explosion seiner Gashülle, die mit starker Lichtentwicklung einhergeht. Im Geg3ensatz zu einer Supernova übersteht der Weiße Zwerg dies. Die Merkmale von Nova Vul 1670 waren mit diesem Modell jedoch nicht vernünftig zu erklären – das historische Himmelsschauspiel blieb ein Rätsel.
Die Forscher um Tomasz Kamiński führten nun die Erforschung von Nova Vul 1670 fort: „Wir haben das Gebiet in Submillimeter- und Radiowellenlängen untersucht. Dabei fanden wir heraus, dass die gesamte Umgebung dieses Überrests in ein kühles Gas eingebettet ist, das eine Vielzahl von Molekülen in ungewöhnlicher chemischer Zusammensetzung enthält”, berichtet der Astronom. Den Forschern zufolge ist die Masse des kalten Gases zu groß, um in einem Nova-Ausbruch entstanden zu sein. Zudem entsprechen auch die im Bereich von Nova Vul 1670 gemessenen Isotopenverhältnisse nicht dem, was man von einer Nova erwarten würde. Aber wenn es keine Nova war, was könnte es dann gewesen sein?
Keine klassische Nova sondern eine Sternkollision
Die Antwort liegt in einer eindrucksvollen Kollision zweier Sterne, die leuchtkräftiger ausfällt als der Ausbruch einer Nova, aber weniger leuchtkräftig als eine Supernova. Es handelte sich bei Nova Vul 1670 demnach um ein sehr seltenes Ereignis, bei dem der Zusammenstoß zweier Sterne zu einer Explosion führt. Dabei wird Materie in die Umgebung hinausgeschleudert und es bleibt ein schwach leuchtender Überrest zurück, der sich in eine kalte Wolke aus Molekülen und Staub hüllt. Diese erst seit kurzem bekannte Version der Sternenexplosion passt zu den Beobachtungsergebnissen von Nova Vul 1670, berichten die Astronomen.
„Diese Art von Entdeckungen macht am meisten Spaß – etwas, das vollkommen unerwartet kommt”, resümiert Co-Autor Karl Menten vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Was die berühmten Früh-Astronomen im Jahr 1670 hatten, war also der Schimmer eines fernen Infernos: einer bombastischen Karambolage zweier Sterne.





