Das merkwürdige Verhalten eines Neutronensterns in der Nähe des Zentrums der Milchstraße stellt Theorien über die Physik im Inneren solcher Sterne auf die Probe.
Wie Rudi Wijnands vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) vergangene Woche auf einer Tagung in Washington D.C. berichtete, wurde der wenige Kilometer große Stern KS 1731-260 von 1988 bis Ende 2000 permanent mit Materie eines größeren Partnersterns bombardiert. In jeder Sekunde wurde dabei die Energie von Milliarden Wasserstoff-Bomben frei.
Wijnands bestimmte die Temperatur von KS 1731-260 mit dem Weltraumteleskop Chandra wenige Monate nach dem Ende der Aktivität, als sich die Explosionswolken verzogen hatten. Zu seiner Überraschung lag die Temperatur des Sterns lediglich bei 3,5 Millionen Grad Celsius – zehn Mal niedriger als Wijnand das nach dem zwölf Jahre langen Dauerbeschuss erwartet hatte. KS 1731-260 war damit lediglich so warm wie Neutronensterne, die eine Woche lang mit Materie beschossen werden.
“Man sollte meinen, dass zwölf Jahre konstanter thermonuklearer Explosionen ausreichen, um so einen Stern etwas aufzuwärmen”, wundert sich Wijnand. Für die überraschend niedrige Temperatur gebe es zwei mögliche Erklärungen: Entweder kühlen sich Neutronensterne extrem schnell ab – einem komplizierten Modell zufolge spielen Neutrinos dabei eine wichtige Rolle. Oder KS 1731-260 brauchte die zwölf Jahre, um sich auf seine jetzige Temperatur aufzuwärmen, weil er etwa tausend Jahre lang vom Bombardement verschont blieb und sich in dieser Zeit stark abkühlen konnte.
“Bis jetzt kannten wir nur Neutronensterne in Doppelsternsystemen, die für maximal hundert Jahre schlafen”, sagt Walter Lewin, ebenfalls vom MIT. “Möglicherweise haben wir hier einen neuen Typ von Neutronensternen entdeckt.”
Ute Kehse





