Neptun ist der äußerste und am wenigsten erforschte Planet unseres Sonnensystems. Wegen seiner großen Entfernung zur Erde sind viele Merkmale dieses Eisplaneten mit Teleskopen kaum erkennbar. Die meisten Daten zum Neptun stammen daher vom Vorbeiflug der Raumsonde Voyager 2 im Jahr 1989. Sie lieferten erste Informationen zum Magnetfeld, dem Aufbau der Gashülle und zeigten, dass auch der Neptun hauchdünne Ringe und Monde besitzt.

Nereid: Selbst unter den irregulären Monden ein Exot
Das Ungewöhnliche jedoch: „Neptun ist der einzige Riesenplanet, dem ein System von regulären, intakten Trabanten fehlt“, erklären Matthew Belyakov vom California Institute of Technology und seine Kollegen. Denn die 16 Monde des Neptun sind gängiger Annahme nach nicht mit ihrem Planeten gemeinsam entstanden, sondern wurden entweder nachträglich eingefangen oder bildeten sich aus Trümmern früher Kollisionen. Selbst Triton, der größte Neptunmond, gilt als ein eingefangenes Kuipergürtel-Objekt.
Ähnliches nahmen Astronomen bisher auch für Nereid an, den drittgrößten Trabanten des fernen Eisriesen. Der 340 Kilometer große, eisreiche Trabant umkreist den Neptun auf einer hochgradig exzentrischen Umlaufbahn, die im gesamten Sonnensystem einmalig ist. „Selbst unter den irregulären Monden ist Nereid ein Ausreißer: Er ist der größte, exzentrischste und seinem Planeten am nächsten kommende unter ihnen“, berichten Belyakov und sein Team. Deswegen vermuteten Planetenforscher bisher, dass auch Nereid ursprünglich aus dem weiter außen gelegenen Kuipergürtel stammt.
Spektrale Spurensuche am Außenrand unseres Sonnensystems
Doch neue Beobachtungsdaten des James-Webb-Weltraumteleskops widerlegen diese Annahme nun. Für ihre Studie haben Belyakov und sein Team das Spektrum von Nereid mithilfe der Webb-Nahinfrarotdaten analysiert und es mit den Spektren von verschiedenen Kuipergürtel-Objekten und Eismonden verglichen. „Die Daten des Webb-Teleskops enthüllen drei verschiedene Spektraltypen von Kuipergürtel-Objekten: wasserreiche, methanolreiche und CO2-reiche Himmelskörper“, berichten die Forschenden.






