Der rätselhafte “Zwinkerstern” KH 15D, der sich manchmal abrupt für 24 Tage verdunkelt, hat Astronomen seit seiner Entdeckung 1998 Kopfzerbrechen bereitet. Jetzt haben Forscher um Joshua Winn vom Harvard Smithsonian Center for Astrophysics das Geheimnis gelüftet: Der Zwinkerstern hat einen unsichtbaren Begleiter und ist von einer Staubscheibe umgeben. Demnächst wird er für Jahrzehnte ganz aus dem Blickfeld verschwinden, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift “The Astrophysical Journal Letters” (Ausgabe vom 1. März).
Des Rätsels Lösung war in den Archiven von Harvard und vom italienischen Asiago Observatorium zu finden. Die alten Aufnahmen zeigten, dass es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts überhaupt keine Finsternisse gab. Zwischen 1967 und 1982 verdunkelte sich der Blinkstern zwar periodisch, doch war er insgesamt heller als heute. Die Forscher schlossen daraus, dass KH 15D einen Begleiter hat, der in den siebziger Jahren noch sichtbar war, jetzt aber komplett verdeckt wird.
Die Forscher nehmen an, dass das junge Doppelsternsystem von einer Staubscheibe umgeben ist, die nicht in der gleichen Ebene liegt wie die Bahnen der Sterne. Dadurch wackelt die Scheibe ähnlich wie eine schlecht geworfene Frisbee-Scheibe – allerdings viel langsamer: Die Periode der Präzession der Scheibe beträgt etwa tausend Jahre. Durch diese Bewegung wurde zunächst der erste Stern periodisch vom Staubschleier verborgen, dann verschwand er ganz. Im Jahr 2012 wird auch der zweite Stern ganz von der Staubscheibe verdeckt werden. Einige Jahrzehnte später werden sie dann einer nach dem anderen wieder auftauchen.
Die beiden Sterne umkreisen einander auf einer elliptischen Bahn, wobei sie einander näher sind, als der Planet Merkur an der Sonne liegt. Die Staubscheibe hat einen etwas größeren Abstand von den beiden als der Mars von der Sonne.
Obwohl das Rätsel des Blinkens nun erklärt ist, plagen Winn und seine Kollegen neue Fragen: Warum ist die Scheibe so schief? Warum hat sie eine scharfe Kante? Und woraus besteht sie überhaupt?
Ute Kehse





