Nachhaltig in Erinnerung geblieben ist mir das Hochgefühl, mühelos eine große Geschwindigkeit zu erreichen. Genau das schätzen immer mehr Radfahrer. Die Verkaufszahlen vor allem der sogenannten Pedelecs steigen seit Jahren kontinuierlich. Pedelecs (abgekürzt für Pedal Electric Cycle) sind Elektroräder, bei denen der Antriebsmotor nur läuft, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Anders bei einem E-Bike: Läuft der Motor, rollt das Rad auch ohne Tretunterstützung. Zwar beschleunigen Elektroräder nur auf maximal 25 Kilometer pro Stunde, aber im Stadtverkehr ist das schon ziemlich flott.
Rund 95 Prozent der verkauften Elektroräder hierzulande sind Pedelecs. Wie Statistiken des Zweirad-Industrie-Verbands belegen, stieg der Absatz stark an: von 480.000 Elektrorädern im Jahr 2014 auf 535.000 Stück im vergangenen Jahr. Damit haben Pedelecs einen Marktanteil von 12,5 Prozent am gesamten Fahrradmarkt. Der Verband schätzt, dass rund 2,5 Millionen E-Bikes und Pedelecs auf deutschen Straßen rollen. Und eine Änderung des Trends ist nicht in Sicht, denn hauptsächlich ältere Menschen kaufen Pedelecs, und der Anteil der Senioren an der Bevölkerung nimmt weiter zu.
Elektroräder könnten den Stadtverkehr entlasten, wenn es gelingt, mehr Autofahrer aufs Zweirad zu locken, und sie könnten die Menschen in ländlichen Gegenden mobiler machen. Doch so umweltfreundlich diese Art der Fortbewegung ist, so besorgniserregend sind die Unfallstatistiken. Das unterstreicht Max Hermanutz, Psychologe an der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg. Gemeinsam mit einem Team aus Polizisten, Verkehrsforschern und Psychologen hat er Unfallstatistiken ausgewertet und das Fahrverhalten von Pedelec-Radlern untersucht.
Mehr ältere Schwerverletzte
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Pedelecs 2014 bundesweit in rund 3700 Unfälle mit 59 Toten und 1178 Schwerverletzten verwickelt waren. 2015 stieg die Gesamtzahl der verunglückten Pedelec-Fahrer um etwa ein Drittel auf 2942. Diese Zunahme entspricht etwa dem Zuwachs bei verkauften E-Rädern – je mehr Räder auf den Straßen, umso mehr Unfälle.
Die Zahlen liegen über mehrere Jahre hinweg für einzelne Bundesländer vor. So wuchs in Nordrhein-Westfalen die Zahl der E-Rad-Unfälle von 322 in 2012 auf 714 in 2014. In Baden-Württemberg verhält es sich ganz ähnlich: Verglichen mit 2013 kam es 2014 fast zu 50 Prozent mehr Unfällen. Die meisten Schwerverletzten waren über 45 Jahre alt. In Bremen etwa waren von sechs Schwerverletzten fünf älter als 65 Jahre.
Die Zahlen aus Baden-Württemberg zeigen zwar, dass dort E-Radler nicht häufiger in Unfälle verwickelt sind als Fahrer von normalen Rädern. Doch bei ihnen gab es deutlich mehr Getötete und Schwerverletzte: 2014 starben bei Unfällen mit Elektrorädern 20 von 1000 Unfallopfern, bei normalen Rädern 5 von 1000. Schwer verletzt überlebten 20 Prozent der Radfahrer und 29 Prozent der Pedelec-Fahrer den Zusammenstoß mit einem Auto oder Lkw. Mehr als 70 Prozent der Unfallopfer mit Pedelecs waren über 61 Jahre alt. Diese Altersgruppe radelt offenbar mit dem erhöhten Risiko, von einem Auto erfasst zu werden.






