von KAI DÜRFELD
Bevor das Licht der ersten Sterne die dunkle Ära enden ließ und sich Galaxien formten, war das Universum angefüllt mit neutralem Wasserstoff. Dieses Gas sendet eine ganz bestimmte Radiostrahlung aus: die 21-Zentimeter-Linie. Solange das All noch dunkel war, durchzog das Signal den Weltraum nahezu überall.
Dies änderte sich mit dem Entstehen der ersten Lichtquellen. Ihre Strahlung riss Elektronen aus den Atomen und ionisierte das Gas. Wo das geschah, verschwand die 21-Zentimeter-Signatur. Für Kosmologen ist die Linie ein Marker für den Zustand des Universums und ein Zeitstempel im expandierenden All. Denn während sich der Raum ausdehnt, streckt er auch die Wellenlängen der elektromagnetischen Strahlung, die in ihm unterwegs ist. Wir messen sie als rotverschoben. Je stärker diese Dehnung des Spektrums ist, umso weiter blicken wir in die Vergangenheit.
Um diese schwachen Signale systematisch zu erfassen, braucht es eine neue Dimension der Radioastronomie. Genau dafür wird das Square Kilometre Array (SKA) gebaut: millionenfach empfindlicher als heutige Anlagen, verteilt über Kontinente, synchronisiert im Nanosekundenbereich.
Das Ende der Dunkelheit
„Wir haben bislang nur indirekte Hinweise darauf, wie und wann das Universum reionisiert wurde“, sagt Michael Kramer, Professor für Astrophysik und Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. „Mit der 21-Zentimeter-Linie werden wir diese Epoche erstmals dreidimensional kartieren: nicht nur punktuell, sondern flächendeckend in Raum und Zeit.“
Bisher liefern Messungen vor allem globale Mittelwerte. Sie zeigen, dass sich das junge Universum gewandelt hat. Doch sie zeigen nicht, wie sich dieser Wandel im Detail vollzog. Die 21-Zentimeter-Strahlung vermittelt dagegen Informationen über Dichte, Temperatur und Ionisationsgrad eines jeden Ortes im jungen Universum. Aus ihrer Frequenzverschiebung lässt sich rekonstruieren, wann und wo das neutrale Gas verschwand.
„Die Modelle zur Reionisation unterscheiden sich deutlich“, sagt der Radioastronom. „Wir wissen noch nicht, wie homogen dieser Prozess verlief, oder welche Quellen dominant waren. Deshalb sind genaue Beobachtungen so wichtig.“ Denn mit ausreichender Empfindlichkeit lässt sich daraus eine dreidimensionale Karte rekonstruieren. Regionen höherer Dichte erscheinen darin früher ionisiert, andere bleiben länger neutral. So entsteht eine zeitlich gestaffelte Vermessung der kosmischen Entwicklung – von den ersten Lichtquellen bis zu den großräumigen Strukturen, die das heutige Universum prägen.





