von DIRK EIDEMÜLLER
Im Herbst 2017 klingelten bei mehreren europäischen Strahlenschutzbehörden die Telefone. Über den gesamten Kontinent verteilte Messstationen hatten plötzlich eine erhöhte Konzentration des radioaktiven Isotops Ruthenium-106 gemessen. Dieser Stoff besitzt 44 Protonen und 62 Neutronen im Atomkern, ist radioaktiv und tritt nicht natürlich auf. Auch in Deutschland registrierten einige Stationen des staatlichen Integrierten Mess- und Informationssystems (IMIS) geringe Mengen an radioaktivem Ruthenium. Die gemessenen Spuren waren zwar sehr gering und stellten keine nennenswerte Strahlenbelastung dar. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz betrug die höchste gemessene Konzentration in Deutschland lediglich etwa fünf Millibecquerel pro Kubikmeter Luft – weit unter allen Grenzwerten. Aber die ungewöhnliche radioaktive Wolke ließ die Experten stutzig werden, da die Freisetzung von radioaktivem Material auf ein unbekanntes Problem hindeuten könnte.





