Nach einer US-Studie wird die zunehmende Versauerung der Ozeane den Lärmpegel unter Wasser erhöhen und den Meeressäugern dadurch große Probleme bereiten. Für Delfine und andere Wale bedeutet der Radau eine starke Beeinträchtigung ihrer Orientierung, wie der Meeresforscher John Guinotte vom Marine Conservation Biology Institute im amerikanischen Bellevue erklärte. Dazu kommt noch ein anderes Problem, wie Frank Melzner vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel betont: „Durch die Versauerung verändert sich die Nahrungskette in den Ozeanen, da insbesondere schalenbildende Organismen zugrunde gehen.”
Ausgangspunkt der Untersuchung der US-Forscher um Keith C. Hester vom Monterey Bay Aquarium Research Institute in Moss Landing waren die weiter steigenden Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Dadurch versauern die Ozeane, da sie immer mehr CO2 aufnehmen müssen und daher große Mengen an Kohlensäure bilden. Nach Schätzungen des Weltklimarates IPCC wird der pH-Wert der Meere bis zum Jahr 2050 um 0,3 Punkte saurer sein – also 7,9 statt heute rund 8,2 betragen.
Diese veränderte Chemie des Wasser beeinflusst die Ausbreitung des Schalls, da sich in relativ saurem Meerwasser Töne mit tiefen und mittleren Frequenzen weiter ausbreiten als in weniger saurem. Was dabei chemisch genau passiert, ist noch nicht geklärt. Fest steht, dass Wassermoleküle von Schallwellen zum Schwingen angeregt werden, wobei ein Teil der Wellenenergie von den Molekülen geschluckt wird. Ist das Wasser relativ sauer, werden tiefe Töne weniger stark absorbiert. Hester hat errechnet, dass Töne mit tiefen Frequenzen in einem um 0,3 pH-Punkte saureren Ozean bis zu 70 Prozent weiter zu hören wären als bisher. Und gerade diese Frequenzen werden beispielsweise von Robben und Walen zur Kommunikation und Navigation benutzt.
Bereits heute werden die Tiere durch den Lärm von Industrieanlagen und Schiffen zum Teil empfindlich gestört. Belegt ist auch, dass militärisches Sonar noch 500 Kilometer entfernt das Verhalten von Walen beeinträchtigt – weshalb sich immer mehr Wale verirren und stranden, wie viele Forscher überzeugt sind.
Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de





