Der Reykjanesrücken, ein südwestlich von Island auf dem Meeresboden gelegenes Gebirge, ist von schnurgeraden, V-förmigen Tälern durchzogen. Garrett Ito von der Universität von Kalifornien-Davis ist es gelungen, die Entstehung dieser Strukturen mittels einer pulsierenden Quelle heißen Gesteinsmaterials zu erklären. Er stellt sein Ergebnis im Wissenschaftsmagazin Nature vor.
Man vermutet, dass sich unter Island ein Mantelplume befindet. In einem solchen Plume steigt heißes Gesteinsmaterial aus dem Erdinnern nach oben. Unter bestimmten Bedingungen, die vom Druck und von der Temperatur abhängen, schmilzt dieses Gestein und dringt als Magma an die Erdoberfläche. Der Reykjanesrücken ist von solchem aufsteigendem Magma geformt worden.
In seiner Computersimulation nimmt Ito an, dass der Island-Plume das Gesteinsmaterial nicht gleichmäßig nach oben befördert, sondern dass er mit einer Periode von acht Millionen Jahren pulsiert. Eine regelmäßige Zu- und Abnahme des Plume-Radius sorgt für eine entsprechende Variation des Gesteinsflusses nach oben.
Unter der Annahme, dass der Plume unter dem Zentralkamm des Reykjanesrückens liegt, konnte Ito zeigen, dass sich rechts und links dieses Kamms Schwankungen in der Dicke der Ozeankruste ergeben, die schließlich die beobachteten V-förmigen Täler erzeugen.
Sowohl der Reykjanesrücken als auch Island selbst sind Teil des Mittelozeanischen Rückens, der sich auf dem Grund der Ozeane um die Erde schlängelt und eine Gesamtlänge von rund 75.000 Kilometern hat. Das aufsteigende Magma bildet am Mittelozeanischen Rücken eine neue Ozeankruste und ist damit der Motor für die Kontinentaldrift.
Axel Tillemans





