Ein internationales Astronomenteam hat einen bisher unbekannten Typ von Sternen entdeckt, der in seltsamer Weise Radiowellen ins All sendet: Nach einem nur maximal dreißig tausendstel Sekunden kurzen Impuls herrscht für mehrere Minuten bis zu drei Stunden lang Ruhe, bis wieder das nächste Signal ausgesandt wird. Wie das Phänomen entsteht und worum es sich bei diesen Sternen handelt, von denen die Wissenschaftler bisher elf verschiedene entdeckt haben, bleibt ein Rätsel.
Maura McLaughlin von der Universität von Manchester und ihre Kollegen nennen die Himmelskörper Rotating Radio Transients (RRATs). Sie könnten Verwandte der
Pulsare sein, glauben die Astronomen. Pulsare sind kleine, aber äußerst dichte so genannte
Neutronensterne, die sich extrem schnell um sich selbst drehen ? beobachtet wurden bereits mehr als 700 Umdrehungen pro Sekunde. Eingehüllt werden die Neutronensterne von einem Gasnebel aus geladenen Teilchen. Da diese Sterne ein eigenes Magnetfeld besitzen, kommt es bei dieser Drehung zu Wechselwirkungen zwischen Magnetfeld und der Gaswolke, was zur Aussendung von Radiowellen führen kann. Wie der bewegte Lichtfinger eines Leuchtturms sendet der Pulsar dann rundum wechselnd elektromagnetische Strahlung ins All.
Als Astronomen vor mehr als dreißig Jahren zum ersten Mal ein solches Radiosignal auffangen konnten, glaubten sie zunächst an eine außerirdische Intelligenz. Erst später erkannten die Forscher hinter der pulsierenden Regelmäßigkeit die konstante Drehung eines Himmelskörpers. Ganz anders als diese Pulsare verhalten sich die nun beobachteten RRATs: Ihre Radioimpulse sind mit einer Dauer von teilweise nur zwei tausendstel Sekunden extrem kurz, und die Pausen zwischen den Signalen sind unregelmäßig und teilweise viele Minuten lang. Dennoch haben die Wissenschaftler bei den meisten der beobachteten RRATS eine gewisse Regelmäßigkeit der Signale beobachtet, die jedoch immer wieder durch Unterbrechungen gestört ist. Die Signale erschienen wie das Licht eines Leuchtturms, der immer wieder von unregelmäßigen Stromausfällen betroffen sei, erklären die Astronomen.
Da die RRATs wegen der Kürze der Signale und den langen Pausen dazwischen nur schwer auszumachen sind, seien die seltsamen kosmischen Signalgeber wohl bislang übersehen worden, so die Forscher. Sie vermuten, dass sich in der Milchstraße mindestens 400.000 RRATs tummeln. Gewöhnliche Pulsare gibt es dagegen nur etwa 100.000.
Maura McLaughlin (Universität von Manchester) et al.: Nature, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nature04440 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald