Tausend Lichtjahre von der Erde entfernt stößt der Neutronenstern Vela einen zuckenden Strahl schneller Teilchen aus, der etwa ein halbes Lichtjahr weit ins All reicht. Ein Astronomenteam berichtet jetzt im Astrophysical Journal (Ausgabe vom 10. Juli), dass sich Form und Helligkeit des Strahls binnen kurzer Zeit stark verändern – ein noch nie beobachtetes Phänomen.
Die Forscher um George Pavlov von der Pennsylvania State University richteten das Röntgenteleskop Chandra zwischen Januar 2000 und August 2002 insgesamt 13 Mal auf den Vela-Pulsar. Der aus Elektronen oder Positronen bestehende Strahl wandelte sich in einem Fall in wenigen Wochen von einer geraden in eine Hakenform um. Helle Flecken wanderten mit halber Lichtgeschwindigkeit entlang des Jets nach außen.
Die Forscher vermuten, dass ein ähnlicher Effekt wie beim Feuerwehrschlauch für die abrupten Bewegungen verantwortlich ist: “Wenn man bei einem Feuerwehrschlauch, der auf dem Boden liegt, das Wasser anstellt, dann sieht man, wie Teile des Schlauches sich biegen und in verschiedene Richtungen bewegen”, erläutert Mitverfasser Marcus Teter. “Das liegt an dem steigenden Druck an den Biegungen des Schlauches.”
Der Vela-Jet ähnele einem Schlauch aus Magnetfeldern, durch den geladene Teilchen fliegen. Da sich der Neutronenstern mit einer Geschwindigkeit von 300.000 Kilometern pro Stunde durch eine Gaswolke bewegt, entstehen ähnlich wie im Feuerwehrschlauch Druckunterschiede, die den Teilchenjet zum Tanzen bringen. “Das Studium dieses Pulsars könnte uns helfen, die viel größeren Teilchenstrahlen zu verstehen, die supermassive Schwarze Löcher erzeugen”, meint Co-Autor Oleg Kagaltsew. “Diese Jets verändern sich auch, aber auf einer Zeitskala von Millionen von Jahren und nicht von Wochen.”
Ute Kehse





