Drei Entwicklungsphasen bestimmten das Wachstum der Flugsaurier: Die Jungtiere nahmen in den ersten zwei Lebensjahren rasant an Körpergröße zu, bis sich mit dem Erreichen der Fortpflanzungsfähigkeit das Wachstum dieser Pterodaustro genannten Untergruppe der Flugsaurier verlangsamte. Im Alter von fünf bis sechs Jahren erreichten sie dann die Erwachsenengröße mit Flügelspannweiten von bis zu 2,5 Metern. Diese Körperentwicklung des Flugsaurieres Pterodaustro haben Paläontologen um Anusuya Chinsamy von der Universität in Kapstadt nachgezeichnet. Demnach ähnelt das Wachsen der vor 140 Millionen Jahren in der Kreidezeit lebenden Flugsaurier nicht den späteren Vögeln, sondern eher den Krokodilen.
Die Forscher analysierten die Mikrostruktur von fossilen Knochen und die Knochengröße von 14 argentinischen Funden des Flugsauriers Pterodaustro. Diese Mikrostruktur gibt den Forschern Auskunft, wie alt der Flugsaurier war. Anhand der Länge von Oberschenkelknochen, Schien- und Wadenbein sowie Ellen- und Speichenknochen in den Flügeln konnte sie dem Alter eine bestimmte Körpergröße zuordnen. Die Flügelspannweite reichte bei den untersuchten Fossilien vom gerade aus dem Ei geschlüpften Jungtier mit 30 Zentimetern bis zum ausgewachsenen Alten von 2,5 Metern.
In den ersten zwei Jahren wuchsen die Flugsaurier rasant und erreichten schnell eine Körpergröße von 53 Prozent der Größe ausgewachsener Tiere. Dann folgte eine drei- bis vierjährige Phase mäßigen Wachstums. In dieser Zeit beanspruchte die sexuelle Reifung die meiste Energie. Mit fünf bis sechs Jahren wurden die Pterodaustros schließlich erwachsen. Ähnlich wie bei heutigen Säugetieren und Vögeln stoppte dann das Wachstum.
Die Flugsaurier erreichen der Studie zufolge ihre Geschlechtsreife, noch bevor sie ins Erwachsenenalter eintreten. Damit unterscheiden sie sich deutlich von heutigen Vögeln, die erst als ausgewachsene Tiere geschlechtsreif werden. In ihrem Wachstumsmuster ähneln die Flugsaurier eher den Krokodilen, berichten die Forscher. Der Pterodaustros unterscheidet sich von anderen Flugsauriern besonders durch seinen Schnabel, der bürstenartig mit Zähnen besetzt war. Damit konnte er wie die heutigen Flamingos Nahrung aus dem Wasser filtern.
Anusuya Chinsamy (Universität Kapstadt) et al.: Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2008.0004 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer