von THORSTEN DAMBECK
Am Neujahrstag 2019 passierte die Raumsonde New Horizons in
3538 Kilometer Minimalabstand ein seltsames Objekt namens Arrokoth. In einer Distanz von über 6,2 Milliarden Kilometern – dem 42,7-Fachen der Erde – umrundet dieser dunkle Eisbrocken die Sonne. Seitdem gilt Arrokoth als das am weitesten entfernte Himmelsobjekt, das je eine Sonde angesteuert hat. Es gehört zum Kuiper-Gürtel. Diese abgelegene Region, die nach dem Astronomen Gerard Kuiper benannt ist, besteht aus Abermilliarden von eishaltigen Körpern jenseits der äußeren Planeten.
„Es war eine der wichtigsten Missionen der vergangenen Jahre“, sagt Hubert Klahr vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Denn die aktuellen Auswertungen des New-Horizons-Teams zeichnen nicht nur das Bild eines bizarren Himmelskörpers, der sich einst aus zwei Teilen zusammengefügt hat. Sie geben auch Einblicke in die noch immer rätselhafte Entstehung der Erde und anderer Planeten.
Zuerst hatte der Himmelskörper die Bezeichnung 2014 MU69, vor der Begegnung mit der Raumsonde bekam er dann den vorläufigen Namen Ultima Thule. Der völkisch-nationalistische Anklang dieser Namenswahl sorgte allerdings für Kritik, und man einigte sich schließlich auf den Namen Arrokoth. Das Wort stammt aus der indianischen Powhatan-Sprache und bedeutet „Himmel“.
Bereits 2015 hatte die NASA-Sonde im Vorbeiflug Pluto studiert (bild der wissenschaft 12/2017, „Der ferne Doppel-Planet“) – der Hauptzweck der Mission New Horizons. Auch er ist ein Kuiper-Objekt. Als Zwergplanet erreicht Pluto zwar nicht die Ausmaße eines großen Planeten, er bringt es aber trotzdem auf den stattlichen Durchmesser von 2377 Kilometern. Arrokoth hingegen ist mit 36 Kilometer Länge ein typischer Vertreter der Millionen Kleinkörper an der Außengrenze des Sonnensystems.
Anfangs hielten die Forscher die beiden Teilobjekte, die Arrokoths Körper bilden, für kugelförmig. Bald offenbarte sich jedoch auf Fotos aus mehreren Blickwinkeln, dass sie abgeplattet sind. Doch während der größere einem dicken Pfannkuchen ähnelt, ist der kleinere deutlich runder und erinnert an eine Kartoffel.
Heute geht man davon aus, dass das Sonnensystem vor rund 4,6 Milliarden Jahren aus einer Gas- und Staubscheibe entstanden ist, die sich im solaren Urnebel formiert hatte. Weit entfernt von der Sonne verbanden sich Gase wie Methan, Stickstoff und Kohlenmonoxid mit Staubkörnchen, auf denen sie gefroren. Aus dieser eisigen Mixtur formten sich die ersten größeren Objekte, die sogenannten Planetesimale. Diese Urkörper bildeten die Keime, aus denen später noch größere Exemplare heranwuchsen – bis hin zum Format der heutigen Planeten. Bei diesem Prozess blieb einiges an Rohmaterial übrig, das noch immer durch diese sonnenfernen Gefilde schwirrt.





