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Pompeji: Toter aus dem Garten der Flüchtenden war Arzt
Archäologie

Pompeji: Toter aus dem Garten der Flüchtenden war Arzt

Gipsausguss eines der Toten aus dem „Garten der Flüchtenden“ in Pompeji. Ein im Inneren des Ausgusses verborgenes Kästchen verrät, dass dieser Mann vor seinem Tod Arzt war. · Foto: Parco archeologico di Pompei

Die Gipsausgüsse einiger Vulkanopfer aus Pompeji sind weltberühmt. Jetzt enthüllt ein neuer Fund mehr über die Identität eines der Toten aus dem „Garten der Flüchtenden“. Im Inneren seines Gipsausgusses haben Archäologen ein kleines Kästchen mit einer Steinplatte zum Anmischen von Arzneien sowie bronzene Instrumente…
Autor
Redaktion
21. Mai 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Archäologie

Der Garten der Flüchtenden ist eine der bekanntesten Stätten in Pompeji. In diesem ehemaligen Garten starben 14 Menschen im Jahr 79, als sie vor dem Vulkanausbruch zu fliehen versuchten. Ein pyroklastischer Strom, eine Wolke aus Asche und heißen Gasen, tötete die Flüchtenden und schloss ihre Überreste ein. Als Archäologen im Jahr 1962 dieses Gebiet freilegten, hatte die feine Ascheschicht die dreidimensionale Form der Körper und ihrer Habseligkeiten nahezu perfekt konserviert. Die damals erstellten Gipsausgüsse machen die Toten sichtbar.

Wer diese Toten aus dem Garten der Flüchtenden waren, ist bislang erst in Teilen geklärt. Zwar verraten die Gipsausgüsse Geschlecht und Alter, aber es fehlen persönliche Gegenstände, die mehr über die „Flüchtenden“ verraten. Eine Ausnahme bildeten nur einige Münzen und Schmuckstücke, die bei den Toten der ersten der drei Gruppen gefunden wurden.

Röntgentomografie enthüllt Kästchen mit medizinischen Utensilien

„Doch ein glücklicher Fund unter den Materialien im Depot des Restaurierungslabors hat es uns nun ermöglicht, weitere Informationen zu gewinnen“, erklären Gabriel Zuchtriegel vom Archäologischen Park Pompeji und seine Kollegen. Im Rahmen der Restaurierung einiger Gipsausgüsse hatten sie diese einer Röntgentomografie unterzogen. Die Aufnahmen enthüllten im Inneren des Gipsausgusses eines erwachsenen Mannes ein kleines Kästchen aus organischem Material mit Metallbeschlägen. In diesem Behälter waren die Überreste eines Stoffbeutels mit Bronze- und Silbermünzen zu erkennen, außerdem eine Schiefertafel und einige Metallinstrumente, wie die Archäologen berichten.

Antike Utensilien
Hier zu sehen sind eine Steintafel und antike medizinische Instrumente ähnlich denen, die im Kästchen des Toten aus Pompeji enthalten sind. © Parco archeologico di Pompei

Die Form des Kästchens und sein komplexer Verschlussmechanismus ähneln denen von Behältnissen, die in der Antike für Kosmetika oder medizinische Utensilien verwendet wurden. „Auch in diesem Fall lässt sich eine ähnliche Funktion vermuten, da im Inneren deutlich eine Coticula“ zu erkennen ist – eine kleine Basalttafel mit einer zentralen Vertiefung“, schreiben Zuchtriegel und sein Team. „Solche Steintäfelchen dienten damals dem Anmischen medizinischer oder kosmetischer Pulver. Für eine medizinische Funktion des Ensembles sprechen zudem einige kleine Bronzeinstrumente, darunter einige mögliche Skalpellklingen, wie das Team berichtet.

Ein Arzt auf der Flucht

Nach Ansicht der Archäologen spricht dieser Fund dafür, dass der Tote mit der Nummer 46 aus dem Garten der Flüchtenden ein Arzt oder Heilkundiger gewesen sein muss. Auf seiner Flucht vor dem Vulkanausbruch hatte er deshalb seine Ausrüstung dabei. „Dieser Mann führte seine Instrumente bei sich, um sich andernorts ein neues Leben aufzubauen – vielleicht aber auch, um anderen helfen zu können“, sagt Zuchtriegel. „Schon vor zweitausend Jahren gab es Menschen, die sich immer als Helfer und Heiler verstanden, selbst während ihrer Flucht vor dem Vulkanausbruch.“

Der Fund des antiken Arztkoffers im Gipsausguss der Pompeji-Opfer unterstreiche die große Bedeutung des Archäologischen Parks von Pompeji als lebendiges Archiv der römischen Antike, betonen die Archäologen. Sie haben ihrem Fachartikel daher ein passendes historisches Zitat vorangestellt: „Es gibt Orte, die nicht bloß bewahren, sondern das behüten und schützen, was die Zeit durchwandert hat.“

Quelle: Parco archeologico di Pompei; Fachartikel: e-Journal degli Scavi di Pompei, 2026.04

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