Eisgebirge und “verdünntes” Methaneis
Im Gegensatz zu den felsigen Gebirgsmassiven auf der Erde besteht das Plutogebirge höchstwahrscheinlich aus extrem weit heruntergekühltem Wassereis. “Bei den Temperaturen auf Pluto verhält sich Wassereis wie Fels”, erklärt Bill McKinnon von der Washington University. Zwar ist der Rest der Pluto-Oberfläche vorwiegend von gefrorenem Methan und Stickstoff bedeckt, diese Eismaterialien wären jedoch nicht stabil und fest genug, um ein solches Gebirge zu formen. Durch welche Prozesse das Gebirge entstand, ist bisher unklar. Denn im Gegensatz zu den Eismonden von Jupiter oder Saturn hat Pluto keine größeren Nachbarn, die seine Kruste durch ihre Schwerkraft-Einflüsse verformen könnten. “Wir müssen möglicherweise neu überdenken, welche Kräfte eine geologische Aktivität auf solchen eisigen Welten hervorrufen können”, sagt John Spencer vom Southwest Research Institute in Boulder.
Zum Eis des Pluto haben die Spektrometer der Raumsonde ebenfalls erste Daten geliefert. Demnach ist die Oberfläche des Zwergplaneten wie erwartet zum großen Teil von Methaneis bedeckt – aber nicht nur. An vielen Stellen zeigen sich in der Infrarotansicht auffallende Abweichungen, darunter auch an den Polen. “Wir haben erfahren dass das Methaneis der Nordpolar-Kappe durch eine dicke, transparente Schicht aus Stickstoffeis verdünnt ist”, berichtet Will Grundy vom Lowell Observatorium in Flagstaff. An einer der im sichtbaren Licht eher dunkle erscheinenden Stellen am Äquator scheint das Eis dagegen eine andere Struktur oder Zusammensetzung aufzuweisen. “Das Spektrum sieht so aus, als wenn dieses Eis weniger mit Stickstoff verdünnt sein könnte”, so Grundy. Er und seine Kollegen sind aber noch dabei, den ersten Schwung der Spektrometer-Daten der New Horizons auszuwerten.
Klippen und Canyon auf Charon
Auch vom großen Plutomond Charon gibt es erste neue Aufnahmen. Sie enthüllen eine überraschend junge, kaum von Kratern gezeichnete Oberfläche. Sie wird unterbrochen von einer fast 1.000 Kilometer langen Reihe von steilen Klippen und Schluchten. In einer Aufnahme ist quer zu dieser Reihe ein Canyon zu sehen, der sieben bis neun Kilometer tief sein könnte. Zusammengenommen deuten diese Strukturen nach Angaben der NASA-Forscher auf geologische Aktivität auf dem Mond hin. In der Nordpolar-Region des Charon ist zu erkennen, dass das dunkle Terrain dort eine eher diffuse Abgrenzung besitzt. Das könnte darauf hindeuten, dass es sich um eine dünne Schicht aus Ablagerungen eines dunklen Materials handelt, so die Forscher. Darunter liegt eine schärfer abgegrenzte, eckige Struktur. Was dies ist und woraus die Nordpolkappe des Charon besteht, hoffen die Wissenschaftler aus weiteren, höher aufgelösten Aufnahmen entnehmen zu können.





