Kein Wunder also, dass die Ankunft von New Horizons am Pluto mit Spannung erwartet wurde. Schon während ihrer Annäherung in den letzten Wochen hat die Sonde einiges Überraschendes über den Zwergplaneten und seinen großen Mond Charon enthüllt. So zeigten die Aufnahmen, dass der Pluto wahrscheinlich keine weiteren Monde außer den bereits bekannten Trabanten Charon, Nix, Hydra, Kerberos und Styx besitzt. “Keine neuen Monde oder Ringe zu finden ist schon eine kleine wissenschaftliche Überraschung für uns”, berichtet der wissenschaftliche Leiter der Mission, Alan Stern vom Southwest Research Institute (SwRI) in Boulder. Aber auch auf dem Zwergplaneten und seinem größten Mond Charon gab es Überraschungen. So trägt der Pluto entlang seines Äquators eine erstaunlich regelmäßige dunkle Fleckenreihe. Alle scheinen die gleiche Größe zu haben: Ungefähr 480 Kilometer. “Das ist ein echtes Rätsel – wir wissen nicht, was das sein könnte und wir können es kaum erwarten, mehr darüber herauszufinden”, sagt Stern. Auf der anderen Seite des Pluto enthüllten Bilder einen hellen Fleck in Herzform. Woraus er besteht, könnten Messdaten beim Vorbeiflug verraten, denn diese Seite wird der Sonde dabei zugekehrt sein.
Pluto ist (wieder) der Größte
Passend zum Tag des Besuchs hat New Horizons dem Pluto zudem ein Geschenk mitgebracht: Ihre Messungen machen ihn wieder zum größten bekannten Objekt im Kuipergürtel. Bisher ließ sich die Größe des Zwergplaneten nur ungenau bestimmen, der bisherige Wert von knapp 2.300 Kilometern Durchmesser waren durch seine Atmosphäre und die große Entfernung mit großen Unsicherheiten behaftet. Dennoch galt Pluto bisher als kleiner als seine ferne Nachbarin Eris, die ihn 2.326 Kilometer knapp übertrumpfte. Die aktuellen Messwerte von New Horizons haben nun jedoch Eris entthront und Pluto wieder als den Größten eingesetzt. Denn den neuen Daten nach ist der Zwergplanet 2.370 Kilometer groß. “Die Größe des Pluto ist seit seiner Entdeckung 1930 umstritten”, sagt Bill McKinnon von der Washington University in St. Louis. “Wir sind froh, diese Frage nun endlich klären zu können.”
Geplant sind Untersuchungen der Oberflächenbeschaffenheit, der Geologie und internen Struktur, sowie der Atmosphäre. Die Sonde soll unter anderem gezielt in den Schatten des Kleinplaneten eintauchen und dabei das durch die Atmosphäre fallende Licht einfangen und mithilfe ihres „Alice”-Spektrometers analysieren. Parallel dazu registriert ein weiteres Instrument an Bord, wie stark die von der Erde an die Sonde gesendeten Radiowellen durch die Atmosphäre gebeugt werden. Dies erlaubt Rückschlüsse auf die durchschnittliche molekulare Masse und die Temperatur der Gashülle. Nachdem New Horizons das Plutosystem passiert hat, wird sie weiter in Richtung Kuipergürtel fliegen und dabei die gesammelten Daten an die Erde senden. Weil sie nur rund 700 Bits pro Sekunde übermitteln kann, wird es aber wahrscheinlich rund neun Monate dauern, bis alle wissenschaftlichen Daten von der Bodenstation aufgefangen wurden.





