Als die NASA-Sonde New Horizons am 26. Januar 2006 von Cape Canaveral aus zu ihrer mehr als neun Jahre langen Reise startete, war Pluto noch ein vollwertiger Planet. Doch ein halbes Jahr später, am 24. August 2006, war das Geschichte. Denn die Internationale Astronomische Union beschloss auf ihrer Vollversammlung, Pluto nur noch den Status eines Zwergplaneten zuzugestehen. Der Grund: Rund ein Jahr zuvor hatte der US-Astronom Mike Brown im Kuipergürtel jenseits der Neptunbahn Eris entdeckt – einen Himmelskörper, der rund 30 Prozent schwerer als Pluto war und – wie es damals schien – auch noch knapp größer. Beide Objekte gelten seither als Vertreter einer ganzen Gruppe von transneptunischen Objekten und als bloße Zwergplaneten. Für die New Horizons-Mission änderte dies jedoch glücklicherweise nichts. Denn ob Planet oder nicht: Pluto ist nach wie vor der Himmelskörper im Sonnensystem, über den wir am wenigsten wissen. Es gab vor Ankunft der Sonde nur verwaschene Bilder des Hubble-Weltraumteleskops, weil Pluto selbst für dessen hohe Auflösung zu weit entfernt ist.
Kein Wunder also, dass die Ankunft von New Horizons am Pluto mit Spannung erwartet wurde. Schon während ihrer Annäherung in den letzten Wochen hat die Sonde einiges Überraschendes über den Zwergplaneten und seinen großen Mond Charon enthüllt. So zeigten die Aufnahmen, dass der Pluto wahrscheinlich keine weiteren Monde außer den bereits bekannten Trabanten Charon, Nix, Hydra, Kerberos und Styx besitzt. “Keine neuen Monde oder Ringe zu finden ist schon eine kleine wissenschaftliche Überraschung für uns”, berichtet der wissenschaftliche Leiter der Mission, Alan Stern vom Southwest Research Institute (SwRI) in Boulder. Aber auch auf dem Zwergplaneten und seinem größten Mond Charon gab es Überraschungen. So trägt der Pluto entlang seines Äquators eine erstaunlich regelmäßige dunkle Fleckenreihe. Alle scheinen die gleiche Größe zu haben: Ungefähr 480 Kilometer. “Das ist ein echtes Rätsel – wir wissen nicht, was das sein könnte und wir können es kaum erwarten, mehr darüber herauszufinden”, sagt Stern. Auf der anderen Seite des Pluto enthüllten Bilder einen hellen Fleck in Herzform. Woraus er besteht, könnten Messdaten beim Vorbeiflug verraten, denn diese Seite wird der Sonde dabei zugekehrt sein.
Pluto ist (wieder) der Größte
Passend zum Tag des Besuchs hat New Horizons dem Pluto zudem ein Geschenk mitgebracht: Ihre Messungen machen ihn wieder zum größten bekannten Objekt im Kuipergürtel. Bisher ließ sich die Größe des Zwergplaneten nur ungenau bestimmen, der bisherige Wert von knapp 2.300 Kilometern Durchmesser waren durch seine Atmosphäre und die große Entfernung mit großen Unsicherheiten behaftet. Dennoch galt Pluto bisher als kleiner als seine ferne Nachbarin Eris, die ihn 2.326 Kilometer knapp übertrumpfte. Die aktuellen Messwerte von New Horizons haben nun jedoch Eris entthront und Pluto wieder als den Größten eingesetzt. Denn den neuen Daten nach ist der Zwergplanet 2.370 Kilometer groß. “Die Größe des Pluto ist seit seiner Entdeckung 1930 umstritten”, sagt Bill McKinnon von der Washington University in St. Louis. “Wir sind froh, diese Frage nun endlich klären zu können.”





