“Frisch gebackener” heißer Jupiter
Eine Antwort darauf könnten nun die zwei neuentdeckten Exoplaneten geben. Denn beide sind erst wenige Millionen Jahre alt, gehören zu den großen Gasplaneten und umkreisen ihre Sterne dennoch bereits in extremer Nähe. Bei dem ersten planetaren “Säugling” handelt es sich um einen rund 430 Lichtjahre von uns entfernten heißen Jupiter. Der Planet ist knapp 80 Prozent so groß wie unser Jupiter und umkreist den erst rund zwei Millionen Jahre alten sonnenähnlichen Stern V830 Tau. Nach kosmischen Maßstäben entspricht der Planet damit quasi einem planetaren Säugling. Wie Jean-François Donati vom Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Toulouse und seine Kollegen berichten, hat der junge Stern gerade erst seine Urwolke verloren. Noch spannender aber: Der Planet V830 Tau b umkreist diesen Stern in nur 0,057 astronomischen Einheiten Entfernung und benötigt für einen Umlauf nur knapp fünf Tage.
“Unsere Entdeckung enthüllt, dass ein Gasriese nicht nur sehr schnell entstehen kann, sondern dass er auch schon sehr bald nach der Geburt seines Sterns in dessen unmittelbarer Nähe auftauchen kann”, erklärt Koautorin Elodie Hébrard von der University of York. “Heiße Jupiter können offenbar innerhalb von weniger als zwei Millionen Jahren nach innen wandern.” Das aber wirft auch ein neues Licht darauf, was die jungen Gasriesen aus ihrer ursprünglichen Geburtsregion vertreibt: Nach Ansicht der Astronomen spricht ihr neuer Fund dafür, dass nicht die Wechselwirkung mit anderen Planeten oder gar Kollisionen die jungen Riesen aus ihrer Bahn bringen, sondern eher frühe Prozesse innerhalb der Urwolke. Demnach könnten die Gasriesen schon vor Fertigstellung der Planeten nach innen wandern. Dafür spreche auch die nahezu kreisförmige Bahn von V830 Tau b, erklären die Forscher. Denn bei einer Planetenkollision seien meist deutlich exzentrische Orbits die Folge. “Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass die Architektur von Planetensystemen wahrscheinlich schon von den frühesten Stadien der Planetenbildung an hochdynamisch ist”, konstatieren die Astronomen.
Super-Neptun mit Geburtsschleier
Zu ähnlichen Schlüssen kommen Trevor David vom California Institute of Technology in Pasadena und seine Kollegen auf Basis ihrer Planeten-Entdeckung. Sie haben einen weiteren jungen Gasriesen rund 500 Lichtjahre von der Erde entfernt aufgespürt. Der Planet K2-33b umkreist seinen fünf bis zehn Millionen Jahre alten Stern in rund 0,04 astronomischen Einheiten Entfernung – das ist rund ein Zwanzigstel des Abstands Sonne-Erde. Für einen Umlauf benötigt er daher ebenfalls nur rund fünf Tage. Mit einer Masse von etwa der des Neptun und der rund eineinhalbfachen Größe ist der Exoplanet K2-33b ein Gasriese – und auch er ist für sein junges Alter seinem Stern schon ungewöhnlich nah, wie die Forscher betonen. Noch spannender aber ist eine weitere Beobachtung, die die Astronomen mit Hilfe des Spitzer-Weltraumteleskops der NASA machten: Der Stern besitzt noch einen Teil seiner Urwolke, einen feinen, kalten Staubschleier, der weit außerhalb des Orbits von K2-33b einen Ring bildet. Das spreche dafür, dass sich bisher nur die inneren Bereiche der früheren protoplanetaren Scheibe aufgelöst haben. “Es ist extrem selten, einen Planeten in diesem frühen Stadium seiner Kindheit zu finden”, sagt Koautor Sasha Hinkley von der University of Exeter. “Der Fund liefert uns einen außergewöhnlichen Schnappschuss der Planetenbildung.”





