Schottische Wissenschaftler haben ein hoch leistungsfähiges Verfahren entwickelt, um Plastiksprengstoff zu erkennen. Selbst kleinste Mengen der Explosivstoffe können sie anhand von Ausdünstungen nachweisen. Das Verfahren könnte somit die bisher zur Erkennung von Plastiksprengstoff eingesetzten Spürhunde ersetzen, berichten die Forscher im Wissenschaftsblatt Chemical Communications (Band 2002, Seite 2514).
Das von Duncan Graham von der Strathclyde Universität in Glasgow und seinen Kollegen entwickelte Verfahren entlarvt den vielfach eingesetzten Plastiksprengstoff Semtex anhand seiner Ausdünstungen. Diese bestehen zum größten Teil aus Molekülen mit dem Namen RDX. Obwohl hohe Konzentrationen dieser Moleküle von Hunden anhand des charakteristischen Geruchs aufgespürt werden können, stellte ihr chemischer Nachweis Wissenschaftler seit vielen Jahren vor große Probleme.
Grahams Gruppe umgeht diese Probleme in geschickter Weise und weist die Moleküle mittels einer physikalischen Methode nach. RDX wird dabei zunächst mittels einer Natrium-Quecksilberverbindung in ein so genanntes Hydrazin umgewandelt. Die Hydrazinmoleküle können mittels Laserstrahlen zu Schwingungen angeregt werden. Die Laserstrahlen verlieren dadurch einen Teil ihrer Energie, so dass die Moleküle Licht höherer Wellenlängen reflektieren. Diese Wellenlängenverschiebung kann mit Raman-Spektrographen nachgewiesen werden.
Die Methode ist so exakt, dass sich mit ihr selbst wenige Trillionstel Gramm RDX nachweisen lassen. Dies wird durch die Anwendung des so genannten oberflächenverstärkten Raman?Effekts ermöglicht: Die RDX Moleküle werden dabei über eine Metalloberfläche geleitet, die sowohl die Lichtabsorption als auch die Emission des wellenlängenverschobenen Lichts verstärkt.
Die Forscher glauben, dass ihre Apparatur zur Erkennung von Plastiksprengstoff in kompakte Geräte integriert und somit relativ einfach etwa an Flughäfen eingesetzt werden könnte. Dies soll Katastrophen wie die Semtex-Explosion an Bord eines Pan Am Flugzeugs über Lockerbie im Jahre 1988 in Zukunft verhindern.
Stefan Maier





